Friday, April 03, 2009

Der Große Umzug (mit Zahlen)

ist vielleicht ein typisch übertriebener Aufmacher für die folgenden Zeilen aber irgendwie muss man ja anfangen und klischeehafte Überschriften sind fast genauso gut wie originelle. Und außerdem kürzer.

Bereits bei meiner Ankunft stelle sich heraus das meine Mitbewohnerin noch bei weitem nicht alles gepackt hatte und ich trotz wochenlanger Drohungen und Proteste wohl doch so einiges einzupacken haben würde bevor der eigentliche Umzug von Statten gehen konnte. Als kleine Gegenüberstellung und zur verdeutlichung hier mal eine grobe Schätzung über die Verteilung der Besitztümer des neu zusammengelegten Haushaltes:
Gesamt:
Jennifer 96% : Matthias 4%
davon bis Dienstag gepackt:
Jennifer 35% : Matthias 97%
-->
PROBLEM
Unter diesen Voraussetzungen legte ich gewzungenermaßen die Montag- und Dienstagabendpläne auf Eis und beteiligte mich freudestrahlend an den umfangreichen Packunternehmungen.
Neben etwa 2 Dutzend Kartons die schätzungsweise zu 6/10 mit Makeup gefüllt sind, haben wir einen Wäschekorb und zwei Foliebeutel mit Schuhen gefüllt von denen, und das verspreche ich, keiner mir gehört.
Daran schließt sich an ein Set aus 5 matroschkaartig ineinanderstapelbaren Reisetaschen die allesamt mit Kleidung gefüllt wurden. Doch dies war natürlich nur ein Bruchteil der real in der Wohnung verstauten Kleidung, der Löwenanteil verteilte sich auf Ikea Beutel, Säcke, Großkartons, Reisetaschen, Waschkörbe, Garderobebeutel zum Aufhängen etc.
Allein die für das Aufhängen einiger Kleidungsstücke benötigten Bügel füllten einen 80 Liter Müllsack und eine weitere Tasche.
Nach dem heiteren Einräumen im blitz-blanken, fast staubfreien Zimmer (Ironie) wurde dann am Mittwoch ab 9:15 Uhr umgezogen. Und das mit hilfe eines 15 Fuß Umzugstrucks, den wir zum Preis des eigentlich vorbestellten 10 Fuß Vans erhielten. Und dieser Umstand stellte sich als Glücksfall heraus da wir damit tatsächlich eine Chance hatten alles auf einmal mitzunehmen.
Wärend Jennifer nocheinmal kurz an der Uni war, habe ich kurz mit meinem noch immer im Umzugsgeschäft tätigen Kumpel Chris die wenigen Möbelstücke (Matraze, Schreibtisch, Dresser mit Schubladen und Ikea-Wackel-Kleidungsverstauding) in den Truck geladen um dann zu versuchen den Rest der Möbel und Kisten vor Jennifers Rückkehr bereits im Auto verstaut zu haben und damit der Verlegenheit zu entgehen mit ihren Freundinnen Umzugskartons zu schleppen.
Der Abbau des Bettes (Malm, Ikea) war noch eine Geschichte für sich. Nachdem ich Chris ausgeredet hatte das Ding im Ganzen aus dem Fenster aufs Vordach zu schieben um es dann von dort nach unten zu würgen, stellt sich die Demontage als echte herausforderung dar, da man selbst für Ikea Betten Werkzeug benötigt und in der nun zu einer Mondlanschaft verkommenen Ramschwüste natürlich weder eine Zange noch ein 13er Maulschlüssel aufzufinden war. Nachdem Jennifer von der Ernsthaftigkeit der Lage überzeugt war und ich mich nach dem Genuss eines von Chris gesponsorten Proteinriegels (für den gesunden Muskelaufbau während der schweren Arbeit), der bei verschiedenen Menschen als Abführmittel zu wirken scheint (...), zur Besinnung ins Bad verzogen hatte, brachte Jennifer dann einen PINKFARBENEN WERKZEUGKOFFER für FRAUEN hervor, der ungenutzt als Geschenk ihrer Tante ein bis dahin trostloses Dasein unter einem Ramschberg gefristet hatte und mit wahrscheinlich für Barbiepuppen konzipierten Werkzeugchen auch weiterhin keine große Hilfe sein konnte. Als dann doch der zum Bett gehörige Ikea Ringschlüssel auftauchte war auch das Bett dann schnell demontiert und verladen und mein Magen halbwegs beruhigt.
Und so kam es, dass all meinen Befürchtungen zum Trotze, wir tatsächlich gegen 14 Uhr die 9 Meilen Wegstrecke zurückzulegen begannen. Hinaus aus Allston und auf großer Reise zurück in den Osten, durch das Tunnelsystem unter der Stadt und dem Hafen hindurch auf die Halbinsel und so nahe an den Atlantik das wir nun doch schon fast wieder in Europa sind.
Naja, nicht ganz. East Boston ist genau genommen nicht wirklich ein Stadtviertel sondern ein Flughafen.
Und auf selbiger steht am Rande des besseren Wohnviertels auf der Grenze zum Ghetto sozusagen unsere kleine Kartonhütte mit den Flughafenfesten Fenstern -deren Sinn mir angesichts der etwa 12 cm starken Holzwände nicht völlig aufzugehen vermag, da sie unter diesen Umständen die einzigen Schallreduzierenden Elemente des ganzen Hauses sind und die gegen 5 und 6 Uhr morgens auf unserem Dach landenen Boeings und Airbus Maschinen einen Weg gefunden haben, ihr Röhren und Dröhnen an den Fenstern vorbei direkt und von Erschütterungen begleitet in unsere Ohren einzulagern.
Aber gut, dafür ist wenigsten die Wohnung ganz nett und liegt zumindest wenn man nicht aus den Fenstern schaut und beim Weg zur Bahnhaltestelle (Airport) die ersten 50m die Augen geschlossen hält, eine ganz nette Nachbarschft. Das Häuschen neben unsrem sowie ein Großteil east Bostons ist fest in der Hand von Immigranten und Internationalen, deren Sprachen ich leider nicht spreche.
Und das kann durchaus problematisch sein, wie wenn man zum Beispiel nur mit einer grob im Kopf behaltenen Karte des Stadtviertels bei finsterer Nacht und in strömendem Regen allein versucht den Weg von der Haltestelle zurück zum vorher nur mit dem Umzugsauto angesteuerten Domizil zu finden. Nachdem ich die von der Vermieterin angegebene Laufzeit von 10 min leicht überschritten hatte und mir begann im Kopf ein hilfloses "Buena sera senor, una pregunta: Donde esta Putnam street?" samt möglicher Antwortalternativen (zum besseren Heraushören) zusammenzulegen traf ich doch noch englishsprachigen East Bostoner und erfuhr von ihm dass ich doch gar nicht so weit von meinem Ziel entfernt war, un doc, obwohl dies eine nicht undbedingt als gefährlich einzustufende Gegend sei, immer aufpassen sollte was um mich herum so passiert. Vielen Dank gut zu wissen, aber das sind wir doch inzwischen gewöhnt.
Das wirkliche Problem des Viertels, so wie ich es bishe einschätzen kann, ist auch nicht die Kriminalität, das wird oft übertrieben, sondern eher das bereits von meine Freunden hier kritisierte Fehlen an Kneipen, Bars, Läden und Cafes (abgesehen natürlich von Taco Mania und zahlreichen lateinamerikanischen Waschsalons, Friseuren und Restaurants. East Boston ist und bleibt trotz und vielleicht auch gerade wegen der Tunnels über die man es erreicht ein wenig vom Stadtzentrum und damit aber auch von Touristenmassen oder den in Allston üblichen umherstreunenden Studenten und BU-Kids verschont. Den einen ist es zu weit weg, den anderen die Maut oder das Taxi zu teuer, oder die Bahn fährt nicht mehr.
Ich finde es interesant und freue mich drauf ein bisschen mehr zu entdecken. Immerhin gibt es laut Internet ganze 8 Sehenswürdigkeiten, zu denen, und das sei hier relativierend noch bemerkt, auch ein Fussballplatz und eine Maria Statue gehören. Aber die anderen 6 werden hier bestimmt bald dokumentiert.
best,
-k

Blick auf das "alte Domizil"

Das neue Haus
Umzugschaos mit Statistin

Das Schlafzimmer entwickelt sich langsam


Blick über den Küchentresen zur Eingangstür
Badezimmer Stilleben
Fast gar kein Fleisch im Kühlschrank :(

Thursday, March 26, 2009

Das Ende der Unschuld (Bilder sind da)

oder so ähnlich sollte der neue Blogeintrag heißen, aber im Moment weiß ich nicht ob das wirklich der beste Titel ist.
Alles begann gestern. Bei Außentemperaturen von -48 Grad Celcius und einer Flughöhe von etwas über 12,000m über dem Ärmelkanal schwitze ich ein wenig hinter meiner Sonnenbrille als der Flieger mit etwa 700km/h in Richtung London dröhnt. Unter mir spiegelt sich die Sonne golden auf dem Wasser und scheint zumindest momentan nur für mich zu scheinen. Auf meinem kleinen iPod singt Joan Baez soeben einen Bob Dylan Song (und das auch noch in seiner Stimmlage) und nicht einmal die britischen Lautschprecherdurchsagen des Bordpersonals stören mich im Moment als wir uns langsam auf London herabsenken, und damit die dort wohl fest verankerte Wolkendecke durchstoßen. Zeitgleich heißt dieses Eintauchen unter die Wolken, dass für mich jetzt zumindest formal ein neuer Lebensabschnitt beginnt, bzw. sich unwideruflich ankündigt. Unmittelbar vor dem Ende der Unschuld also, wo nach nun fast 6 Jahren Uni ein Silberstreif am sprichwörtlichen Horizont sichtbar wird. Um dem ganzen noch einen drauf zu setzen spielt mein kleiner iPod jetzt völlig unaufgefordert und willkürlich "Streets of London", ein Dylanesqer Song über Obdachlose und gescheiterte Existenzen in der großen Stadt, ein richtig ernsthaft erwachsenes Thema eben. Sehen kann ich diese Straßen leider nicht, der Pilot kreist zwar über dem Stadtzentrum, ich sitze aber leider auf der falschen Fensterseite und erhasche nur hin und wieder einen Blick auf die Themse, und das auch nur wenn ich mein gesicht gegen das kleine Aussenfenster presse und wie ein blöder Tourist aussehe.
Mit dem Landeanflug beginnt nun die Uhr zu ticken. 3h 40min in Heathrow Airport Terminal 5 trennen mich noch vom neuen Lebensabschnitt, dem viel besungenen und in dieser Form von mir erzwungenen Arbeitsaufenthalt in Boston. 3:40h zum Nichtstun verdammt sein, Staatenlos, wie in einer Art Speicher für internationales Treibgut zwischengelagert, ohne Ausgang, ohne Stress, zur Selbstreflektion verdonnert an den großen Glasfenstern vor denen aller 25 sekunden eine Maschine gen Himmel röhrt, wie eine bleierne Ente mühselig vom Boden abhebt um eine Fracht ebensolchen Zwischenlagergutes wie meiner Selbst aus London in alle Welt zu bringen.
Was macht man wenn einen plötzlich einer zwingt 3:40h nichts zu tun, nirgendwo hin zu hetzen, nur zu warten auf den Aufbruch? Man wandert, irrt, langweilt sich, stolpert umher, fotografiert, liest, grübelt, schwitzt, hört Bob Dylans Mundharmonika bis einem die Ohren dröhnen, zögert den unausweichlichen Gang zur Bar heraus bis es keinen Ausweg mehr gibt und wird dann doch wie von einem Strudel an irgendeine Kasse, Bar, Geschäftsstelle gezerrt nur um überhaupt irgendetwas zu tun. Und gibt reumütig ein wenig Geld aus. Weil es irgendwie sein muss.
Die Sonne senkt sich langsam aber sicher, die Uhr tickt und irgendwann kommt der Aufruf zum Gate, fast eine Erlösung. Und doch irgendwie schade, denn das Nichtstun am großen sonngien Fenster ist doch eine Quelle unglaublicher Entspannung. Und Beobachten macht Spaß. Mehr noch als Selbstreflektion, daher spare ich mir auch an dieser Stelle eine Zusammenfassung der gemachten Erkenntnisse und das implizit angekündigte Resüme. Wahrscheinlich wird dann sowieso wieder alles anders als geplant, die Zeit der Sorglosigkeit endet wahrscheinlich genausowenig abrupt in Boston wie sie es das letzte Mal getan hat, trotz anstehender wichtiger Aufgaben, Termine, Pläne und dem endlich wieder geweckten -und für die Abschlussarbeit lebenswichtigen- Ehrgeiz.
Die Zeit der Dummheiten deren Ende ich zumindest mir selbst vor dem Abflug beschoren hatte ("Nie wieder mach ich eine der folgenden Sachen... " bzw. "...provoziere ich mein Glück wie damals bei...") endete zwar zumindest formal in London, aber mal ganz ehrlich, um tatsächlich erwachsen zu werden, so von heut auf morgen, reichen eben die 3:40 in London dann doch nicht aus. Was hatte ich mir dabei auch nur gedacht? Vielleicht klappt es ja wenigstens (ansatzweise) während meiner heute angebrochenen "Gnadensfrist" von 6 Monaten. Da sind wir ja mal gespannt, oder nicht?

best,
k

Als Rausschmeißer die guten Nachrichten:
- ich wurde bei der Einreise nicht zu Tode getasered/erschossen/verhaftet/deportiert
- der DAAD gibt mir noch etwas mehr Geld
- Steve Stecklow zeigt mir das Büro des Wall Street Journals
- am 31. 3. spreche ich mit meinem Berater hier über meine Magisterarbeit
- DIE SONNE SCHEINT
- für 75 Cent bekomme ich noch immer einen Boston Globe!

Erkenntnis des Tages:
-500ml French Vanilla Kaffe machen den Schlafmangel/Jetlag (5h letzte Nacht) völlig vergssen


Guiness, Sandwich, iPod
Heathrow, British Airways Terminal
Terminal 5
Terminal 5 II
Sonnenuntergang, Terminal 5

Sonnenuntergang II
Relaxed

Looking at the world over the rim of my guiness glass (tea cup)

Monday, December 08, 2008

Niagara Falls

sind die gewaltigsten Wasserfälle Nordamerikas und bestehen aus den kanadischen Horseshoe Falls und den amerikanischen American Falls. Gelegen direkt an der Grenze zwischen den USA und Kanada zwischen lake Erie und Lake Ontario sind sie eine Touristenattraktion und Gelegenheit zur Ausbeutung begeisterter Massentouristen. Hier ein paar Eindrücke vom Tagesausflug (4h von Pittsburgh), einem der letzten Highlights aus diesem Trip.

Niagra, Stadt an den Fällen besteht aus Casinos und Hotels
Überblick
Regenbogen
American Falls im Hintergrund
Horseshoe Falls

Regenbogen II

Man kann hinter den Wasserfällen entlang wander, für viel Geld und aus nicht bekanntem Grund

peace,
k

Monday, December 01, 2008

Thanksgiving in Pittsburgh, PA

ist nun auch schon wieder Geschichte. Die Verwandschaftsbesuche abgehakt, Nettigkeiten ausgetauscht, Small Talk verhallt und die Truthähne verspeist. Nach fürchterlichen 14h Autofahrt durch das Hinterland Pennsylvanias, durch den Norden New Yorks, Connecticut und ganz Massaschusetts liegen nun die letzten rund 600 Meilen hinter uns und Boston begrüßt einen mit einem kaum zu bewältigenden Berg an aufgeschobener Arbeit und einer Flutwelle an Stress die einem den längst überfälligen Schlaf raubt.
Aber der Reihe nach, nachdem wir am vergangenen Mittwoch nach nur 10 Stunden Fahrt ins winterlich kalte und doch weitgehend schneefreie Pittsburgh kamen, war ich zunächst überrascht wie wenig hässlich die ehemalige Stahl- und Schwerindustriestadt doch eigentlich ist. Mit Vorstellungen einer rauchig-schwefligen Rust-Belt Stadt gepaart mit Bildern einer 19. Jh. Industrialisierungs- und Fabrikenlanschaft im Kopf war mein Erstaunen entsprechend groß, als die malerische Skyline der nun fast völlig schwerindustrielosen Stadt von 3 Flüssen eingebettet friedlich vor uns lag. Die einzigen Spuren der Industrialisierung sind die Museen und ein paar vereinzelte Koks- und Stahlwerke in den Außenbezirken.
Ähnlich phantastisch wie meine Vorstellungen von der Stadt, waren wohl auch die Erwartungen von Jennifers Familie. Ihr Großvater, ein 82 Jähriger Hühne und Weltkriegsveteran hatte schon telefonisch seine Begeisterung über den neuen Freund anklingen lassen:
Beispiel I
...
Mr Sloan: "Wo kommt er denn her?"
Jennifer: "Deutschland"
Mr Sloan: "Ooooohhhhhh"
...

Beispiel II
...
Mr Sloan: "Wer von euch fährt denn"
Jennifer: "Kuli und ich wechseln uns ab"
Mr Sloan: "Ich dachte die Deutschen fahren nur Panzer"

Trotz dieser wohl nicht böse gemeinten Scherze Jennifer gegenüber schien ihr Großvater aber ganz angenehm zu sein, lud uns nach unserer Ankunft auch prompt zum Essen ein. Während unseres Gespräches ergab sich die Gelegenheit ein, zwei bestehende Vorstellungen zu korrigieren: Dresden ist tatsächlich wieder aufgebaut worden, in den letzten 60 Jahren und auch Berlin konnten wir im Sommer besuchen. Die Bemerkung über dem Berlin Besuch rief immerhin ein (komisch aufgesetzes) Erstaunen hervor, schließlich hatte man doch "die Hölle aus der Stadt herausgebombt."
Neben dem zu Scherzen aufgelegten Großvater mit seiner riesigen V8 Benzinschleuder, der den ganzen Tag und die halbe Nacht an seiner Boostanlegestelle nebst Restaurant arbeitet und weilt, wurden mir zahlreiche Cousinen, Cousins, Tanten und Onkel, Freunde und Bekannte vorgestellt, deren Namen ich auch nur zur Häflte wieder vergessen habe.

Am Donnerstag erwarteten uns daher auch Zwei Thanksgiving Dinner und entsprechende Essorgien. Eine Liste der gegessenen Speisen erspare ich mir aus Platzgründen, Truthahn und Süßkartoffeln waren aber natürlich dabei. Zuvor gab es eine kleine Rundfahrt durch die am Feiertag fast ausgestorbene Stadt, einen Besuch des gelben Herzens der Stadt, dem Heinz Stadium, der Heimat der (von mir verhassten) Steelers.

Nach einem ruhigen, jedoch erneut essensreichen Freitag blieb Samstag noch genug Zeit für einen spontanen Ausflug, der jedoch seinen eignen Blogeintrag erhalten wid (Link folgt).
Sonntag dann, die schon erwähnte Heimfahrt, einem fatalen Fehler. Nach einem ausgedehnten Frühstück bei Jennifers Tante kamen wir erst gegen gegen 10am aus Pittsburh weg und wurden dann in der am Sonntag nach Thanksgiving üblichen Blechlawine von nach-hause rollenden Trucks und Familienkutschen. Und dann der Regen, 14h ohne unterbrechung, mindestens 9h davon in absoluter Dunkelheit, Stau, Schrittempo, Unfälle, tote Waschbären auf der Straße und alles was einem so richtig den Tag vermiest. Im Autoradio zertrümmern die Steelers soeben live die Patriots, Jennifer lacht und Bill ruft aller 10 minuten an um zu hören wie es mir geht. Nicht nur ist das Spiel verloren, sondern auch die Wette und damit ein weiteres Bier. 3h später ist das Gemetzel in Foxboroughs Gillette Stadium noch immer nicht vorbei, und der Pittsburgh Sportsender treibt mich in den Wahnsinn. Das Radio scannt, aber ausser Country und dem Bibelsender gibt es fast keinen Empfang im Hinterland Pennsyvanias. Dann die Trucks, rollende Stahlkolosse, gesteuert von Redneck Republicanern. Am Rasthof verkauft man an die 50 Sorten Beef Jerkey, Campingausrüstung und die Bibel. Daneben die Autobiographie von Chuck Norris. Gürtel mit dem amerikanischen Adler drauf, Messer, Flaggen, die ganze Palette. Zurück im Auto läuft Polka, immerhin hat die zweite Immigrantenwelle eine große Anzahl von osteuropäischen Einwanderern nach Pennsilvania gespült, samt ihrer Musik. Der Mann im Radio warnt vor den Straßenverhältnissen, "aufgepasst Tschechei" es ist glatt. Nur noch ein Tag und die Buck-Season beginnt und die Verrückten können wieder den ganzen Wald kahlschießen.
Was man doch auf der Straße so über ein Land erfährt. Es leben die Roadtrips!

Pittsburgh, hier beginnt der lange Lauf des OhioSkyline vom Fuße des Ohio

Das Geld der Großunternehmer wurde auf dem Rücken der scherwarbeitenden Stahlarbeiter gemacht, nach der Ausbeutung dann die Ehrenrettung. Die meistend er gut ausgestatteten Stadtbibliotheken wurden aus Privatvermögen finanziert, die Public Library in Pittsburgh ist eine von 2,500 Bibliotheken die der Großverdiener Carnegie hat finanzieren lassen.
Koks Fabrik ausserhalb Pittsburgh, ist diese Art der Energieerzeugung der Grund oder Teilursache der vielen Krebserkrankungen in der Stadt?

Ketchupimperium finanziert Profisport

Peace,
K

Monday, November 24, 2008

Barack in Harlem

nicht etwa Shakespeare (wie bei Langston Hughes) oder gar Rap Musik oder Gospel Gesänge. Nein, Barack's Stimme hallt klar und deutlich durch die Straßen Harlems, zum tausendsten Mal stellt er soeben seinen Vize-Präsidenten vor und verspricht den zu Tränen gerührten Hoffnungsträgern die ersehnten Veränderungen. Unermüdlich spielen die CDs der Straßenverkäufer des Viertels und verkündet der Auserkohrene die frohe Botschaft den zelebrierenden Massen .Gleich daneben Anstecker, Bilder, Kalender, Poster, Jacken, Mützen, Caps, T-Shirts. Harlem feiert die Tradition seiner größten Persönlichkeiten, aus dem umjubelten Gespann aus Malcolm X und Martin Luther King ist nun ein Trio geworden. The Land of the Great verkündet ein T-Shirt, darunter die Abbilder der Symbole schwarzen Selbstbewusstseins: Malcom, Martin, Barack. Fast einen Monat nach der Wahl ist die Begeisterung noch immer nicht abgeklungen und man kann es auf der Straße spüren.
Der Beginn der Revolution, der Bürgerrechtsbewegung liegt nun schon fast 90 Jahre zurück, und ist nur viel schwieriger auffindbar. Die Harlem Renaissance ist fast spurlos verschwunden, in einigen Archiven und Bibliotheken, dem Stadtmuseum findet der Suchende vielleicht Informationen. Aber aus den Buchläden der Stadt ist die Renaissance fast verschwunden, leider. Heutzutage ist die Begeisterung größer für Basketballspieler (wie Barack) als für Literaten, die Läden tragen Namen wie "Dr Jay's", Theater sind nach Magic Johnson benannt.
Selbiger war auf Tour sein eigenes Buch zu signieren, hat wohl aber von meinem Kommen nichts gewusst und ließ daher die Chance, mich zu treffen, ungenutzt und verschwand bevor ich den Laden betreten konnte zurüch nach Manhattan um am Madison Square Garden Autogramme zu geben. Schade eigentlich.
Weiterhin Schade war, dass die frühzeitige Dämmerung und die Scheißkälte meinen Erkundungstrip durch Harlem ordentlich abkürzten und die zwei mich begleitenden Damen sowieso lieber in Manhattan unterwegs sein wollten. Manhattan, grelle Kulturhölle der Reichen und >Ärmsten, überteuerter Jazzclubs, Getränkekarten ohne Preisauskünfte (der feine Kunde fragt nicht), Lobster Ravioli für nicht-hungrige (gemessen an Prtionsgröße) und entäuschter Blicke von Kellnern die einem selbst noch den Parmesan auf den Teller streuen wollen, das Publikum ist es wohl nicht anders gewohnt. Massen von Taxis wälzen sich durch deine Straßen, hupen und dröhnen vor sich hin, in Mäntel gekleidete Menschenherden quälen sich durch die windigen Häuserschluchten, geblendet von der Reklame, den Bildschirmen des Konsums, den frierenden Penner unter einem Gerüst in Zeitung und Schlafsäcke gehüllt schlafend, ignorierend. Manhattan, Symbol der Neuen Welt oder für mich -ihres Scheiterns. Von allen die noch nicht das Glück hatten dagewesen zu sein, angehimmelt und in glänzenden Bildern vorgestellt, als etwas großartiges ersponnen, bist du doch nur eine Stadt wie jede andere, nur größer, lauter, teurer, kälter, bunter und schmutziger. Die Stadt ist hart zu den Menschen, nach zwei Tagen ist man müde, die Sinne überreizt, der Geldbeutel leer, die Speicherkarte der Kamera voll mit schlewchten Bildern, verwackelten Nachtaufnahmen, Wolkenkratzern die nur zur Hälfte im Bild sind, Fremden die einem vor die Linse rennen etc. Was bleibt ist die Erfahrung, wiedermal. Und die schon langsam schaal klingenden Ermahnungen an einen selbst. "Beim nächsten mal machst du's anders. Bessere Planung, striktes Sparen."
Zurück geht's ins wohl vertraute, kleine Boston mit seiner Überschaubarkeit, dem kalkulierbaren Leben. Kontrolle, Sicherheit. Wissen woran man ist. All dies Vermisst Karen, die von Boston zurück nach New York zog, ihr fehlt diese Gewissheit nach dem harten Wochenende wieder in die Normalität entlassen werden zu können. Für sie ist das Chaos Alltag und irgendwann gewöhnt man sich wohl auch daran.


Blick aus dem Fenster der Bibliothek über den Charles und die überschaubare Skyline, eigentlich ganz inspirierend, denn man kann sich einreden das ganze zwanghafte Lesen wird irgendwann mal zu einem Job führen, villeicht ja irgendwo da im Hintergrund, nahe der kleinen goldenen Kuppel, dem Statehouse -wo eben die ganzen Geldverdiener sitzen...

Bis dahin sieht mein Büro erstmal so aus...weniger inspirierend.

Wiedersehen mit Jeronimo, Willkommen in Boston, Yoko.

Alltag in der Großstadthölle, die niemals schläft, sie kennt keine Nacht und keinen Feierabend.


Mein bester Freund der Ampelmann, und Kelly in einem kleinen Straßencafe um 22 Uhr. Der tagehelle Hintergrund stammt von den gleißenden Reklamebildschirmen am Times Square.

Blick auf Up- und Midtown Manhatten von New Jersey aus

Empire State und Midtown Manhattan, die Färbung des Bildes spieglt die Kälte am Sonntagmorgen wieder -oder den New York City Blues der mir jedesmal die Stimmung verdirbt.
Bis zum nächsten Mal, New York, ich bin noch nicht fertig mit dir.

Peace
K

Monday, November 17, 2008

Biberjagd in Ipswich (nun ohne ie)

ist eine feine Sache, zumal die Jagd in dem geschützen Areal natürlich auf das erhaschen eines Bildes der vielen nur aus Trickfilmen bekannten Nagetiere beschränkt war. Um diesem Eintrag jede unverdiente Spannung zu nehmen sei gleich hier am Anfang verkündet, dass ich keinen Bieber gesehen habe. Und daher gibts auch keine Bilder von den seltenen Pelzlieferanten.
Trotz allem war der spätherbstliche Ausflug in die kleine Naturschutzanlage eine Stunde nördlich von Bosten die Anfahrt wert und bot Gelegenheit dem Stadtleben zumindest für kurze Zeit den Rücken zu kehren. Der ursprünglich der Begutachtung des berühmten Indian Summer in New England gewidmete Ausflug wurde aufgrund der doch schon fortgeschrittenen Jahreszeit den Erwartungen nicht mehr wirklich gerecht, da eben doch auch hier die meisten Laubbäume bereits kahl sind. Dafür bot die von einer Naturschutzgesellschaft gehütete Anlage die Gelegenheit die Nordamerikanische Natur ein wenig besser kennen zu lernen, verschlungene Pfade führten durch die Wälder und über lange Holzstege und Brücken ging es durch sumpfige Marschlandschaften entlang von Wasserläufen und Seen, dem Heimatgebiet der zumindest an diesem Tag unsichtbaren Biber.
Hauptaugenmerk der Anlage schien die Erhaltung natürlicher Vogelsbestände zu sein, und so kam es, dass wir die meiste Zeit von teilweise an die Besucher gewöhnten Vögeln begleitet wurden, die einem mit etwas Geduld in ihrer Zutraulichkeit doch glatt aus der Hand fraßen. Trotz wolkenüberhangenem Himmel zeigten sich jedoch einige andere Waldbewohner, unter anderem Blue Jays, Chipmunks, die hier deutlich größeren Rehe (Hirsche?) und eine Vielzahl kleiner Vogelarten.
Zu verdanken ist die Planung der "Wanderung" den redaktion des Boston Globe, die ihren Lesern ständig neue Wander-, Ausflugs- und Wochenendtipps mit auf den Weg gibt. Da das Interesse nun einmal geweckt ist, steht weiteren Ausflügen in die "Wildnis" der zahlreichen Schutzgebiete entlang der Küste von Massachusetts eigentlich nichts mehr im Weg, zu entdecken gibts es auf jeden Fall noch viel.
Laubfärbung in Ipswich, MA

Eindeutige Biberspuren
Piepmatzfütterung im Sumpfland
Glücklicherweise hat Jennifer immer Nüsse und Mandeln einstecken
"Aussichtsturm über See mit Vogel auf nackter Hand"Hölzerne Stege fühen vorbei an Biberdämmen und der rauhen, teilweise kahlen Seenlandschaft und den letzten romantischen Farbtupfern des ausklingenden Herbstes

Wednesday, November 12, 2008

Barack

ist nun doch endlich President-elect der Vereinigten Staaten, und insofern er nicht vorher von Anhängern des modernen Ku Klux Klan erschossen wird, könnte sich tatsächlich einiges auf dieser Welt zum besseren wenden. Das diese heimlich Befürchtung nicht völlig abwegig ist untermauert ein heutiger Bericht aus dem Boston Globe (der Einfachheit halber einfach im Text nach Obama suchen).
Die Wahlnacht ist nun eine Woche her, und es ist an der Zeit einmal ein wenig über die Signifikanz des hier als historisch gefeierten Ereignisses nachzudenken.
Nach nun annähernd 8 Jahren unter dem auch hierzulande unbeliebten 2. Bush schien das ganze Land wie befreit gegen 1100 abends am 4. November aufzuatmen, als klar wurde, dass der sich anbahnende Sieg des Demokraten nicht nur unabwendbar ist sondern auch noch in lawinenartigem Ausmaß über das Land rollen würde.
Die meisten Bars in Boston waren fest in Demokratischer Hand, die wenigen Republikaner verhielten sich stumm, wenn sie überhaupt anwesend waren und der Jubel drang ungehemmt durch das nächtliche Boston. Menschen schrien, jubelten, fielen sich in die Arme und weinten, Autos fuhren hupend durch die Innenstadt, fast so als hätten die Red Sox eine weitere World Series gewonnen, oder zumindest als hätte ein Krieg geendet.
Damit entschied sich auch Jennifers und mein symbolischer Handel und sie muss nun nicht wie im Falle eines McCain Triumphes beschlossen, das Land verlassen. Die Ausreise nach Deutschland hat sich damit zumindest einmal verzögert.
Nach einer euphorischen Nacht begann dann der nächste Tag fast wie der vorherige, der Präsident hieß immer noch Bush, die Wirtschaft krankt noch immer und die Knappheit an Gebrauchsgütern hatte selbst schon die Zeitungen erfasst.
Die für meine Abschlussarbeit zwingend erforderlichen Ausgaben des Boston Globe und der New York Times waren in keinem Laden erhältlich. Nicht einmal die kostenlosen Blätter der Metro, Boston Now oder ein Phoenix waren aufzutreiben. Keine Chance.
Nun dämmerte es langsam, der historische Sieg hatte viele zu Hamsterkäufen veranlasst und die Zeitungen waren als Geschichtszeugen und mögliche Geldanlage teilweise massenweise aufgekauft worden. Zwei Tage später dann die Bestätigung, die Menschenmassen vor den Verlagshäuser der Zeitungen hatten die Verleger zu Nachdrucken der Zeitungen animiert und nun gibt es mehrer hundertausende Kopien der Zeitungen. Überall seckt ein Geschäft, denn der mit 75 Cent recht günstige Globe kann nur für $ 4 bestellt werden, plus weitere $ 9 für den Versand. Die NYT kostet da schon etwas mehr und bietet sich für $14 dem Sammler zum Kaufe.
Im Privaten Kleinanzeigenmarkt gibt es da noch ganz andere Angebote, dort versucht man die Historische Ausgabe für bis zu satte $95 an den Mann zu bringen. Auch ein Blick auf Ebay lohnt zum Preisvergleich, da steckt ein Geschäft. Und man hätte sollen...dann könnte man jetzt.

Ohne Printausgabe und unter diesen Umständen werden sich viele wohl mit den zugegeben schönern Bildern im Internet zufrieden geben müssen, hier ein paar Eindrücke.

Dabei fing eigentlich alles ganz geordent an, der Wahltag selbst führte zumindest in Boston weder zum Chaos noch zum Stillstand des Alltagslebens. Die in den Nachrichten viel propagierten langen Warteschlangen an den Wahllokalen blieben meist aus und unter dem Strich war die Wahlbeteiligung kaum höher als in den Vorjahren.
Woran das liegt darüber kann man nur spekulieren, vielleicht verlieren die Menschen hier trotz oder gerade wegen der großen Show um die ganze Wahl an Interesse oder zweifeln den Sinn ihrer Stimme an. Dies ist in verwöhnten Demokratien und westlichen Republiken ja auch eigentlich nichts neues mehr und gerade deswegen auch eigentlich recht schade.
Hätte die Welt eine Stimme gehabt (nicht nur indirekt durch den Mediendruck) so hätte es wohl in vielen Ländern einen größeren Enthusiasmus gegeben und das Ergebnis wäre bei weitem nicht so "knapp" gewesen wie hier prophezeit wurde. Während sich die Bürger der Welt einig waren, wer denn nun der erste "globale Präsident" sein soll, haben die Medien hier den Leuten tatsächlich bis zum letzten Augenblick ein Kopf an Kopf Rennen vorgegaukelt, dessen Darstellung in weiten Teilen mehr an ein Sportereignis (Horse-race, für alle Wissenden) erinnerte, als an die wichtigste und bedeutenste politische Entscheidung des noch so jungen Jahrtausends.
Nun, um mit Cäsars Worten noch einen drauzusetzen, sind die Würfel gefallen. Die Welt hat gesprochen, Amerika hat gehorcht und kann sich nun wieder beglückwünschen alles richtig gemacht zu haben, das leuchtende Vorbild zu sein, das den weniger erhellten Nationen den rechten (wie in richtigen) Weg zeigt. Etc. Der Süden, der Bibelbelt und die wohl über Sezession nachdenkenden Staaten von Jesusland haben an Dominanz verloren und lecken ihre Wunden, verärgert, dass sie nun von einem schwarzen Neger, der auch noch Kommunist oder gar Sozialist ist, oder was noch schlimmer ist, wahrscheinlich Muslim oder gar Islamist (und obendrein noch elitär und korrupt und) regiert werden. Die Widerstandgruppen "Impeach Barack" schießen auf Sozialen Netzwerkseiten wie Pilze aus dem Boden. Der Iranische Präsident hat seine Glückwünsche geschickt, der Anfang vom Ende. Anarchie droht.

Aber zurück zur Wahl selbst.
Um Gewinne und Stimmen zu Maximieren haben hierzulande zehntausende von freiwilligen die lezten Monate am Telefon verbracht (Phone Banking) um potentielle Wähler per Anruf und Gespräch zur Wahl zu bewegen, Unentschlossene zu überzeugen, Faule zu drängeln. Milliarden wurden ausgegeben und Millionen vertelefoniert, Benzin verfahren um Wähler in kritischen Swing States mit antizipiert knappen Wahlausgang per Haustürbesuchen und persönlichen Vorsprechen zu Wahl zu animieren. Diese Art der Beschäftigung wird meist von Schülern, Sudenten teilweise mit professioneller unterstützung der Wahlkampagnen durchgeführt, die Arbeit ist Zeit- und Nervenaufreibend wurde aber von vielen schon durchgeführt. Beginnend um 6 Uhr in der früh machen sie sich auf den Weg um Stimmen zu gewinnen, Telefoniert wird oft mit dem eigenen Telefon, gefahren mit dem eigenen Auto. So ein Enthusiasmus und am Ende wählen dann nicht mal 2/3 aller Berechtigten, schon Schade. Aber man ist sich einig, dass es ohne diese Art von Initiative, ohne Postwurfsendung, Wahlwerbespots, Interviews, Kampagnenauftritte, und persönliche Apelle, Fernsehdebatten, Wahlsondersendungen, Dokumentationen, Reden und Rockshows mit Feuerwerk, Spendengesuche per Email, Flugzeuge und Busse und Expräsidenten und Musikstars und Schauspieler und Michael Moore's pünktlich erscheinede neue Dokumentation und Wahlbegleitbücher und Hotlines zur Wahlregistrierung, Infoservice und Wahllokalfinder im Internet und Wahllokalreporter die den Stand vor Ort schildern, Warteschlangen/-dauer Messungen, vereinzelte Kuchenbasare und Hotdogverkäufe in Wahllokalen (fürs das leibliche Wohl sorgt man in Amerika immer!), Stuhlausleihe für in-der-Reihe-Wartende, rentnerherankutschierende Busse und Heldengeschichten von 96 Jährigen, die zum ersten Mal in 20 Jahren wieder an der Wahl teilnehmen und Präsidentschaftsanwärter die life und in Farbe bereits 6 Uhr morgen für sich selbst stimmen und der obligatorische blau-weiß-rote Aufkleber für alle stolzen, erleichterten, betenden, hoffenden WÄHLER, die allen noch-NICHTWÄHLER verkünden I VOTED TODAY um villeicht noch jemanden zum Urnengang bewegen zu können -ohne all das, wäre der ganze Zirkus wohl noch viel mehr Amerikanern am Arsch vorbei gegangen.
Und das, ist die größte Schande. Das Privileg an einer Wahl teilnehmen zu dürfen, ist der Mehrheit doch wohl schon lange den Gang zum Wahllokal nicht mehr wert. Aber dahin kommen wir in Europabestimmt auch bald, macht euch auf was gefasst.

Peace
k


Die hoffnungsvolle Wählerin am Tag der Entscheidung
Allston für Barack
Nach der Urteilsverkündung in einer Bar in Downtown Boston
Here's to Change

Sunday, November 02, 2008

Salut an die Britischen Truppen

Es gibt keine Engländer mehr in den Britischen Truppen.
Getroffen habe ich allein in der Küche Vertreter der folgenden Länder:
Schottland
Irland
England
Ghana
Swasiland
Karibische Inseln
Russland
Von allen mit denen ich mich unterhalten habe waren genau
0dabei die dem Irak Frienden und Freiheit bringen wollten.
Die Gründe zur Army zu gehen waren unterschiedlich, mit Demokratie hatten sie aber nichts zu tun.
Die meisten wollten einfach nur Geld verdienen, und zwar viel.
Oder hatten einen Fehler gemacht, sich für zu lang verpflichten lassen, auf dem Weg zum College hängen geblieben etc.
Gemeinsam hatten sie eines: Keiner hatte Lust in den Irak zu gehen, und jeder freute sich darauf nach hause zu kommen. Auch Soldaten haben Freundinnen die weit entfernt wohnen und warten, oder Ehefrauen, sogar Kinder. Einer der Schotten hatte sich ein Haus gekauft, in Bosnien und wird dann dort in einem malerischen Tal mit seiner Frau irgendwann Kaffee und Kuchen verkaufen. Stolz zeigt er uns die Bilder seines neuen Hauses, ich Frage ihn wann es denn soweit ist, wann er sich zur Ruhe setzt. Die Antwort: "In 13 Jahren." Viel Glück dabei.
Ob man solange lebt weiß keiner, mit etwas Sarkasmus und ohne Details preiszugeben zeigt uns der Küchenchef Bilder von Drogenküchen und Mohnfeldern in Afghanistan, dort ist Drogenhandel inzwischen der größte und wichtigste Wirtschaftszweig. Hauptexportgüter sind Heroin und Opium. Danach Bilder aus dem Irak, beschlagnahmte Waffen, zerfetzte Selbstmordattenäter und Zerbomte Küchenzelte mit Schrapnellöchern etc. Dave selbst wurde bereits von Scharfschützen angeschossen und ist auch mehrmals "in die Luft geflogen". Überlebt hat er bisher vieles, einige seiner Freunde auf den Gruppenbildern hatten weniger Glück.
Der Krieg ist schon ein Scheißgeschäft, er bringt aber eben Geld, "hilft die Rechnungen zu bezahlen." Angeblich hat das Soldatensein auch seine Sonnenseiten, wie zollfrei einkaufen und kostenlose Ausbildungen, Reiseerfahrungen und zahlreiche Bekanntschaften und Geschichten die sich gut in Bars erzählen lassen wenn man etwas Aufmerksamkeit möchte. Trotzdem sind viele nicht glücklich und das meistbenutzte Wort bei der Beschreibung der Army ist nach meinen (subjektiven) Beobachtungen immer noch SHIT.
"The Army is SHIT man" sagen vor allem die Jüngeren und hoffen bald wieder nach hause zu dürfen. Immerhin haben Sie den Krieg nciht angefangen, sondern die Amerikaner. Zumindest unser Küchenchef ist überzeugt das der ganze War on Terror nur künstlich erzeugt wurde, die Anschläge des 11. September selbst insziniert waren, und sowieso den Amerikanern nicht zu trauen ist. Sie waren auch niemals auf dem Mond, und würden immer noch auf der Lüge beharren etc.
Daves Ärger kann man fast nachvollziehen, sind doch die britischen Truppen auch noch häufiges Opfer fehlgeleiteten Amerikanschen Feuers.
Erstaunlich ist auch, wie wenig man der grauen Realität des Soldatenlebens im Camp entkommen kann, die Zeitung ist ein Amerikanisches Militärblatt, im TV läuft der Truppensender und selbst im Radio dudelt "The Eagle" ein amerikanischer Militärsender. Nicht einmal die Medien bieten also Abwechslung vom Army Alltag, und nach bis zu 15h Küchendienst muss man auch aus diesem Grund fast den Hut ziehen vor den Köchen der Briten. immerhin haben Sie es geschafft trotz allem ein genießbares Essen auf den Tisch zu stellen und zumindest an der Oberfläche ihren Humor nicht verloren. Und selbst wenn The Eagle den gleichen Song zum 3. mal spielt, pfeift Dave noch munter mit:
"I kissed a Frau and I liked it" ist seine Version einer zu oft gespielten Pop Schnulze.


Nacht im Camp
Eine Küche zur Nachschicht
Hubschraubermanöver
Küchenuniform

Lagerkoller in Bayern

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Hier sitz ich nun im Army Camp Hohenfels und beobachte mich und meine Umwelt dabei wie sie den Verstand verlieren. Es ist dunkel in meinem Zimmer, der schwere, erkaltende Rauch meiner Mitbewohner hängt in der nur von Bauzäunen und Makeshift-Pappwänden durchtrennten Luft. Ich sitze in einer Ecke auf einem Dopppelstockbett, mein Boss, der „Don“ schaut wie jeden abend einen Film zum einschlafen auf seinem Laptop, und schafft es nie bis zum Ende. Ich weiß nicht den wievielten Versuch er jetzt startet, aber wie jeden abend leuchtet sein Bildschirm grell in sein schläfriges Gesicht, das mich fast ein wenig an Devlin erinnert. Der zweite Mann, ein quirlig drahtiger Sachse mit Bierbauchansatz ist zur Nachschicht, Kartoffeln schälen und aufwaschen die ganze Nacht bis 6 Uhr früh im kalten West-camp weit draußen in der wildnis und fern ab den Baracken. Die Nachtschicht kümmert ihn nicht, das Army-camp ist kein Problem da er als Bühnenbauer daran gewöhnt ist wochenlang von zu hause, Frau und Kindern weg zu sein. 18h arbeit am tag sind auch normal. Mein dritter Mitbewohner, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat legt sich gerade zur Ruhe und wird wahrscheinlich im finsteren seine Kleidung wieder streng und ordentlich auf seinem Stuhl zusammenfalten, auf dem sie dann darauf wartet in 6 Stunden wieder entfaltet und zur Frühschicht angezogen zu werden. Er ist Tankerfahrer und fest angestellt, einer von wenigen nicht Selbstständigen hier, und nur einer unter vielen Freaks. Wie „Don“ ist auch er über 30, verheiratet, hat Kinder. Im Dunkeln sehe ich seine Zigarette glimmen und der Rauch beißt meine Augen, und das obwohl die Fenster offen sind. Die Heizung ist es auch, die Army wird’s schon zahlen.
Nur etwa 5cm neben, nur durch eine Pappwand am Bauzaun und etwas schwarzen Stoff von mir getrennt, schnarcht ein wahrscheinlich fetter und hässlicher Nazi. Oder irgendein anderer Idiot. Ich habe ihn noch nie gesehen, sein grunzen und schnorcheln raubt mir aber jede Nacht die Ruhe und deshalb hasse ich ihn, auch wenn ich ihn tagsüber reden höre kommt keine Sympatie auf. Wenn man genau hinhört kann man verschiedene Leute an ihrem schnarchen wieder erkennen, jeder röchelt auf eine andere weise vor sich hin, gurgelt oder schnieft durch die rauchgeschwängerte Nacht in Baracke 1115 im Army camp, Hohenfels. Man hört hier jeden atmen, reden, oder eben schnarchen. Dazwischen dann Handys und Wecker, gearbeitet wird immerhin in 3 schichten rund um die Uhr.
Offiziell ist dies hier amerikanischer Boden, seit dem 2. Weltkrieg. Davor war es ein Trainingsgelände für Hitlers Militärmaschine. Nun fahren hier die Briten, Australier und Amerikaner, manchmal auch Afghanen oder wer auch immer hier ein Training gemietet hat in ihren Jeeps und Panzern auf und ab.. Unsere britischen Freunde tragen bereits ihre neuen Wüstenuniformen, denn ihr nächster Stopp ist der Irak. Schon komisch, man arbeitet da in der Küche, als Tellerwäscher (wiedermal, so war das nicht gedacht, eigentlich sollte es doch aufwärts gehen!) und schaut jeden abend in die sich hungrig an der Essenausgabe aufreihenden Soldatengesichter. Und irgendwie sieht man eine Mischung aus Volksstrum und Boy-Scout camp. Die ersten in der Reihe können nicht älter als 18 sein, kaum aus der Schule geht’s ab in die Wüste. Erstaunlich sind auch die zahlreichen Frauen, jung und meist nicht einmal besonders schön. Einige Veteranen sind auch dabei, und ein paar Schwarze. Die Leute in der Küche sind genauso bunt zusammengewürfelt, unsere Köche sind 2 Veteranen mit Wanne, denn beim ständigen kosten muss ja mal was hängen bleiben, dazu zwei sanftmütig-kräftig aussehende Schwarze, ein kleiner weißer mit Brille der einen irendwie an einen Bieber erinnert und einen etwas schwammig geratenen College boy, den ich in Gedanken Babyface getauft habe. Sie alle kochen, backen, braten und verschmutzen die Küche in Baracke 1166 nach Leibeskräften, jeden tag. Das essen ist jedoch erstaunlich gut, immer gibt es frisches Gemüse, Kartoffeln werden von der Nachtschicht immer geschält, Fleisch direkt vom Knochen gelöst, und der Rest irgendwie aus Instant Gewürzen und Pulvern zusammengerührt und gekocht. Mensa Qualität hat das hier allemal und die Auswahl ist auch größer.
Eine Mensa haben die meisten der hier angesellten KPs (Kitchen Personnel) jedoch noch nicht gesehen. Ein Student ist eine Abnormalität, oder einfach was Komsches, den ein so komplizieres Wort wie Abnormalität darf man hier nicht benutzen. Neben den ausgebildeten Köchen die teilweise nur als Servicekräfte hier arbeiten ist der Rest der Freiberufler hier in etwa das was anderswo als Abschaum verschmäht hat. Magdeburg scheint dabei ein Sammelbecken für Asoziale zu sein, den von dort fließt ein ständiger Strom Ausschuss gen Süden um dann hier im Camp hängen zu bleiben, fernab der Zivilisation. Man fragt sich immer wo all diese Freaks, die Verrückten, Kaputten, und in der Gesellschaft gescheiterten so ihr Geld verdienen, wo sie hausen und wie sie aussehen…nun hier in Hohenfels ist eine beachtenswerte Anzahl Degenerierter hängen geblieben, das steht fest. Heinz Dummbolzen, der Schläger aus der 2. Klasse der damals schon sitzen blieb arbeitet bestimmt auch hier.
Einer der Gehirnakrobaten hat es letztens geschafft sich vor seiner schicht so lange mit Vodka zuzuschütten dass er pünktlich zu Arbeitsbeginn in seine Baracke gekotzt hat. Daraufhin sollte er nach hause geschickt werden, durfte aber dann bleiben, da die arbeitsfähigen Leute eben doch knapp sind und nicht jeder hier Doppelschichten schieben möchte.
Die meisten begrüßen Doppelschichten, denn ausser arbeit, schnarchen, rauchen und saufen gibt es hier nicht viel zu tun. In unserer Papphütte ist man zwar etwas kultivierter, da wird der Schnaps noch selbst angesetzt, öfters am Nachmittag mal zu Kaffee und Kuchen geladen oder sogar mal ein Trip in ein Restaurant organisiert. Ansonsten passiert aber nicht viel; computerspielen, schlafen, Wäsche waschen lassen, Essen aus der Küche mitgehen lassen, auch Messer, Schäler etc. Alles was nicht niet und nagelfest ist findet seinen weg in diese Baracken. Was soll man auch sonst tun, zu den Soldaten gibt es keinen Kontakt, die leben zwar direkt nebenan in den gleichen Bararcken, haben aber ganz andere sorgen. Wie ihre drills und sinnlosen angriffe. Mehrmals am tag heult und dröhnt es, booom, boooom weeeeeeehhhhhoooooo boooooom weeeeeeeehhhhhhooooooo INCOMING INCOMING INCOMING booooom wehhoooo und alle diensthabenden Heimatverteidiger schmeißen sich auf den Boden oder kriechen in Deckung, da kann das essen auf dem Teller auch mal kalt werden oder die Suppe anbrennen, wenn der Feind (in diesem fall ein angestellter, der von einem Hummer aus falsche Granaten zwischen die Baracken feuert) kommt, ist alles stehen und liegen zu lassen. 10 Minuten später ist das essen kalt oder angebrannt, die unter Beschuss gekommenen hören die entwarnende sirene und ein blechernes weeeeehhhoooo ALL CLEAR; ALL CLEAR! Weehoooo und kommen aus der versenkung hervor. Dazwischen rüttelt immer wieder mal ein Helikopter oder ein Tieffliegender Jet das Lager wach, in den oktoberbunten Wäldern bellen Maschienengewehre mit gelben Platzpartonenmagazinen dem schwindenen Sommer oder vielleicht auch dem erdachten Feind hinterher, manchmal sogar den extra angestellten falschen turbantragenden Terroristen.
So kommen und gehen die tage, der Stumpfsinn kriecht durch die Baracken und nach bereits fünf tagen kann man sich nicht mehr vorstellen, das irgendwo da hinter dem Wald, nur wenige Kilometer vor den Toren des 40 mal 60 km großen „Naturschutzparkes“ tatsächlich noch ganz normale Menschen, bunt gekleidet zur arbeit gehen. Die Normalität ist ein langsam verblassender Traum du das nach nur einer Woche im Lager, das bei Nebel oder auch bei Nacht ein wenig an Buchenwald zu erinnern versucht. Dazu trägt vor allem der nach innen überhängende und mit Stacheldraht versehene Zaun um die Gelände bei, auch die Baracken und die spärliche Nachtbeleuchung wirken da mit. Und letztendlich versammelt sich auch hier alles was die moderne Gesellschaft eigentlich nicht sehen oder wahrhaben möchte. Fast wie damals. Die Verlierer, die kaputten, hart arbeitenden, primitiven und dennoch wieder normalen. Für die meisten ist dies ein Lebensunterhalt, Soldat oder KP, alle sind Freaks und doch auch nur des Geldes wegen und nicht wirklich gegen ihren willen. Kinder und Frauen wollen ernährt werden und vermissen ihre Väter, manchmal auch Mütter und Ehegatten, doch ihnen allen wird allabendlich im schein der kerosinbetriebenen Lampen am Telefon in allen Sprachen der Welt versichert: Bald bin ich wieder zuhause. Keine Sorge, alles wird gut. Ich liebe dich auch.
Für die einen endet der Zirkus vielleicht nach 3 Wochen, die andern gehen in die nächste runde, ob hier oder in einem anderen camp, ob Grafenwöhrl, Hohenfels, Bagdad oder Afghanistan spielt keine Rolle. Wahrscheinlich sind die Soldaten besser dran, denn sie gehen weiter und bleiben nicht hier stecken, andere arbeiten hier seit Jahren, leben in diesen Baracken fast das ganze Jahr.
Soldat oder KP, das spiel ist immer das gleiche und die Monotonie des Unterfangens wird nur durch die Sinnlosigkeit übertroffen. Steuerzahler aller Länder, vereinigt euch und schaut was aus euren Abgaben wird. Sie brennen tagtäglich zur Stromerzeugung und fließen als Wasser durch die Abflüsse der Großküchen, gehen ungegessen, verbrannt, verkocht oder einfach unerwünscht meist oft direkt in den Container. Oder sie verpuffen im Feuerwerk der Boyscouts. Werden durch Auspüffe geblasen oder vom Jetstream durch die Luft gewirbelt. Vielleicht steckt sie auch so ein Dummblzen aus Magdeburg ein und kauft sich einen Kasten Bier davon. Einen sinn kann das nicht haben.
Peace
-k