obwohl die Amerikaner laut
Gallup Poll zu 67 Prozent hinter ihrem neuen Präsidenten stehen, und das ob der zahlreichen wegweisenden Legislativinitiativen, deren Tragweite zumindest die Konservativen doch deutlich zu stören scheint. In Texas und anderen Bundesstaaten mit starken republikanisch-orientierten
Bevölkerungssegmenten hält man mit tatkräftiger Unterstützung des Propagandanachrichtensenders
FOX News bereits
Tea-
Parties um gegen die als
oppressiv empfundene Regierung zu demonstrieren, der
Gouverneur hat selbst einen Austritt aus der Union nicht ausgeschlossen, da angeblich ganze Bevölkerungsgruppen durch die neue Regierung nicht repräsentiert und zu
Unrecht zur Steuerabgabe genötigt werden...
Doch von den bizarren innenpolitischen
Gegebenheiten des Gastlandes einmal abgesehen wird die Situation vor der Haustür im Zuge der sich in den Köpfen der Meinungsmacher zwar abschwächenden Wirtschaftkrise nur langsam und unwesentlich besser, in
einigen Einzelfällen sogar extrem schlechter.
Das Unijahr ist fast
vorüber und wie jeden Sommer suchen die Studenten (und überhaupt alle die im Besitz einer Arbeiterlaubnis sind) nach Nebenjobs um sich den Sommer über zu finanzieren bis dann mit
Beginn des neuen Schuljahres wieder die
Regierungs- und Privatkredite greifen die vielen hier das Überleben während des Unijahres ermöglichen.
Nun sickert wie überall die Krise auch hier recht zügig nach unten durch und statt offener Stellen gibt es selbst in Amerika Arbeitslosigkeit und Stellenkürzungen. So kommt es das
Jennifer für den Sommer noch keinen Job hat und dank des noch ausstehenden
Recitals (und dem damit verbundenen
Übungs- und
Vorbereitungsaufwandes) weder Zeit noch Kraft für eine erfolgreiche Jobsuche hatte. Wenn sich dahingehen nicht bald etwas ändert (etwa in den nächsten 7 Tagen) stehen wir vor einem großen Problem.
Doch jammern wollen wir mal nicht, den anderen
geht es noch viel schlechter. Den Obdachlosen zum Beispiel, deren Zahl hier auch dramatisch zugenommen hat angesichts der Tatsache das doch recht viele hier ihr Haus verloren haben und nun im Auto oder der Obdachlosenunterkunft wohnen.
Aufbauende Geschichten wie diese denke ich mir leider nicht aus, die stehen im Boston
Globe. Und selbiger, um nun die Überleitung ganz glatt hinzubekommen, ist
auch so gut wie am Ende. Das mag zwar in Deutschland keinen interessieren doch für mich persönlich ist das schon eine kleine Katastrophe. Nachdem in den letzten Wochen bereits einige namhafte und traditionsreiche Zeitungen die Pressen stillgelegt haben, könnte nun bald (am 1. Mai zum Beispiel) eines der
Flaggschiffe der Nordamerikanischen Presse die Segel streichen (oder wie
andernorts von Piraten geentert werden, aber dazu später).
Vor 3 Wochen hat die
New York
Times, Eigentümer des
Globe seit einigen Jahren und ihrerseits von Millionenverlusten und Werberückgängen von mehr als 30% betroffen, dem
Globe ein Ultimatum gestellt. Der
Globe verlor letztes Jahr allein über 50 Millionen, dieses Jahr werden es 85 Millionen. Nun fordert die
Times 20 Millionen an Einsparungen von den Gewerkschaften des
Globe und damit schwingt wie das Konkurrenzblatt Boston
Herald mit Genugtuung feststellte, das Beil schon recht nah über dem Kopf der einzigen großen
Qualitätszeitung der Stadt. Und damit sieht es schlecht aus für meinen potentiellen Arbeitgeber und Startpunkt einer großen Journalismuskarriere. Die Chancen jedenfalls, das man mir beim
Globe mal einen Job anbietet sind wohl recht dünn. In einem
Verzweiflungsakt und in der Hoffnung dass viele andere es uns gleichtun haben
Jennifer und ich sofort ein Abo abgeschlossen, denn wie wir alle wissen hängen die werbeeinnahmen einer Zeitung ganz entscheidend von ihrer Leserschaft ab. Und wenn diese nun entgegen dem Trend ganz steil nach oben schießen würde...
na dann vielleicht...
Ähnlich geht es dem traditionsreichen Unternehmen
Filene's
Basement, einer Kette von Modehäusern deren Spezialität der Verkauf von gnadenlos
heruntergesetzter Designer und Markenware war (und noch ist). Nach stetigen Umsatzverlusten wurde die einst erfolgreiche und in Boston gegründete nun dahinsiechende Kette an eine Art Insolvenzverwalter in Kalifornien verkauft. Das Ende ist auch hier abzusehen.
Und um dem ganzen noch einen drauf zu setzen geht auch der
MBTA ganz schnell die Kohle aus. Nachdem die Gesellschaft für Öffentliche Verkehrsmittel schon angeordnet hat die nächtliche Beleuchtung der
Zakim Bridge abzustellen (einem heißgeliebten Wahrzeichen der Stadt) um monatlich etwa 5,000 Dollar zu sparen und die entsetzten Architekten des Kunstwerkenbegonnen haben Geld zu schicken um die Lichter finanzieren zu
können, ist es nun langsam abzusehen dass auch solche Notmaßnahmen die
hunderten Millionen an Defiziten nicht mehr ausgleichen können. Drastische Kürzungen im nun ohnehin wieder völlig überlasteten Verkehrsnetz der U-Bahn-Linien und Buslinien , Personalentlassungen und Einsparungen von 50% bei
Wochenend- und Abend-Zügen wurden schon vorgeschlagen, die Bürger sind entsetzt und das Chaos droht. Besonders dann, wenn wie am
Marathon Monday letzte Woche ein Marathonlauf mit mehr als 20,000 Teilnehmern stattfindet und von den 4 großen Sportteams der Stadt gleich 2 ein
Playoff-Heimspiel haben und gleichzeitig die
Red Sox eine Heimserie spielen... Da schließt man sich am besten zu hause ein und geht garnirgends mehr hin.
Obendrauf endete der Winter (
vorübergehend) vor etwa 3 Tagen, der Campus ist voller sich sonnender Mädels die überall ausgestreckt auf den
Wiesen liegen und den zukünftigen Studenten, die derzeit mit ihren sich in den finanziellen Ruin stürzenden Elternteilen den Campus
touren (denn in der Krise wird auch die nun bei lächerlichen 35,000 Dollar liegende Studiengebühr ein klein wenig angehoben werden müssen!) einen ganz attraktiven Anblick bieten. Die
meisten der Mädels sind entweder
Sonnenstudio gebräunt und damit immun vor der gleißenden Sonne oder verwandeln sich angesichts der noch immer fehlenden Laubschicht auf den weiterhin winterlich aussehenden
Kahlgerüst-Bäumen in Kürze in Hummer. Nur von der
Natur begnadete Einzelkünstler wie der Auto des Blogs werden auf Anhieb
schmerzfrei braun.
Um der
Bräunung ein wenig auf die Sprünge zu helfen und wenigstens einmal die Woche mit der sich kaputtarbeitenden Freundin (=Mitbewohnerin) ausspannen zu können, sind wir gestern mal eben an einen der schönsten Strände hier gefahren (laut
Zeitungsumfrage im
Phoenix der beliebteste Strand in
Massachusetts).
Crane Beach hat uns dann auch ordentlich gefallen dank arktischer Wassertemperaturen auch vom Baden abgehalten. Der Golfstrom hat leider keine Ausfahrt die nach
New England führt und die Gewässer
erhitzen sich hier damit erst gegen Ende Juli. Trotz der schmerzhaften Wassertemperaturen, die selbst ein Fußbad zu einer
Kneipp-
Tortur verkommen lassen, bzw. die gleichnamige Kur als angenehm warme
Erinnerung ins Gedächtnis zurückholen, war der Strand gut gefüllt, ohne einen jedoch zu nerven, denn zwischen den vielen Sanddünen und auf den
Wanderpfaden durch die
Dünenlandschaft kann man den Massen hier sehr gut entkommen, fühlt sich in kürzester Zeit wie in eine Wüste verpflanzt und
lechzt nach Wasser. Bilder dazu unten.
Nun, die Liebe zum Strandleben und die Aussichtslosigkeit der Jobsuche mit oder ohne Arbeitserlaubnis lassen eigentlich die
Piraterei als einzige Alternative. Selbige scheint laut Medienberichten Hochkonjunktur zu haben und obwohl der erste (jämmerlich dünn und hilflos aussehende) Seeräuber schon an Land gefischt wurde und nun entgegen fast aller Gesetze des Planeten in Amerika vor Gericht steht, nachdem er bei Verhandlungen unter weißer Flagge verhaftet wurde und nun auf Basis eines seit hundert Jahren nicht angewendeten schwammigen Gesetzes wahrscheinlich zu Urlaub auf Lebenszeit verurteilt werden kann, scheint es doch gerade deswegen sinnvoll sich mit dem Piratendasein
anzufreunden. Meint ihr nicht?
Nun haben wir den bogen gekriegt, von der Trostlosigkeit der
wirtschaftlichen Lage im großen und im Kleinen, über den langsam erblühenden Frühling, der sofort gegen den Sommer eingetauscht wurde bis in zur
Piraterei alles abgedeckt und berichtet, ein einziges Auf und Ab - fehlen nur noch die Bilder:
best,
-k
PS: und da hab ich die Fast-Panne mit überhitztem und qualmig-stinkendem
rauchschwadenproduzierenden Motor auf dem Rückweg von
Ipswich, des
Nachtens an unseren Türen rüttelnde Eindringlinge, (Heu)schnupfen und den kürzlich gestellten
Craigslist-Killer noch gar nicht erwähnte!!!

Osternachlese I

Osternachlese II

Frühlingsatmosphäre

Blühende Landschaften

selbst in
East Boston...man beachte jedoch das noch sehr spärliche Blattwerk..wie im Winter

Sonnenuntergang im Stadtpark,
Downtown

Boston von seiner schönsten Seite

Szenenwechsel...Sommer in
New England, einen Tag später

Dünenlandschaft,
Crane Beach, mit Statist

gefühlte -4 Grad im Atlantik

von zu kalt zu zu heiß
Jennifers missglückter Frisörbesuch
bescheehrte ihr rotblonde Haare (nach eigenen Aussagen sieht sie aus wie Ronald
McDonald),
Nachbesserungstermin ist für
Dienstag angesetzt, bis dahin wird eine Mütze getragen...

Verdurstet in der Wüste (Dünenlandschaft in
Ipswich, MA)