Der unvermeidbare und seit Jahren herbeigesehnte Rückzug aus dem Mittleren Westen brach viel schneller über uns hinein, als es uns lieb gewesen wäre. Das ist ironisch wenn man bedenkt, dass unser Zwischenaufenthalt in Michigan statt zwei Jahren über fünfeinhalb gedauert hat und sich neben dem verzweifelten Suche nach einer Alternative so ganz nebenbei auch eine gewisse Genügsamkeit (oder Bequemlichkeit) eingeschlichen hatte. Der einst verhasste Staat mit den langsamen Menschen ist nun kein anonymer Fleck auf der überflugskarte von Boston nach San Francisco mehr. Nach einem halben Jahrzehnt freiwilligen Exils wird klar, dass das Exil doch freiwillig war und unter den unbekannten Menschen überall Freunde zu finden waren. Selbige nun zu verlassen fühlt sich anders an als der Umzug von Boston, denn mit dem Abschied kommt die Gewissheit, dass wir sicher hier hin nicht mehr zurück ziehen. Und so schleicht sich in dem vermeintlichen Triumph der Rückkehr in die symbolträchtige Stadt doch wieder die Melancholie; kündigt sich die Suche des Hin- und Dazugehörens von Neuem an. Die Anker des täglichen Lebens werden einer nach dem anderen wieder gekappt.
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Thursday, February 25, 2016
Monday, July 05, 2010
Der Erste Gehaltsscheck
...ein kleiner Schritt für die Menschheit und doch ein Riesensprung für einen einzelnen Universitätsabsolventen.
Nach einer langen Liste merkwüriger, abenteurlicher, teilweise auch erbärmlicher Jobs scheint sich nun ganz langsam das Blatt zum besseren zu wenden. Erstes Anzeichen der Besserung ist in meinen Augen der historische erste Gehaltsscheck, das erste Gehalt im ersten richtigen Job. Selbiger wird natürlich nur in einem Land, in dem die private Kontowirtschaft -nach Aussagen meines Managers hier- noch in der Steinzeit steckt, tatsächlich als Papierscheck übergeben, um dann vom glücklichen Empfänger in den nächsten Bankautomaten (oder Schalterangestellten) geschoben wird, um dann denn eigentlichen Geldtransfer von Firma zu Projekt Manager (das bin ich) auszulösen.
- Praktikant Big City Moving, Boston
Nach einer langen Liste merkwüriger, abenteurlicher, teilweise auch erbärmlicher Jobs scheint sich nun ganz langsam das Blatt zum besseren zu wenden. Erstes Anzeichen der Besserung ist in meinen Augen der historische erste Gehaltsscheck, das erste Gehalt im ersten richtigen Job. Selbiger wird natürlich nur in einem Land, in dem die private Kontowirtschaft -nach Aussagen meines Managers hier- noch in der Steinzeit steckt, tatsächlich als Papierscheck übergeben, um dann vom glücklichen Empfänger in den nächsten Bankautomaten (oder Schalterangestellten) geschoben wird, um dann denn eigentlichen Geldtransfer von Firma zu Projekt Manager (das bin ich) auszulösen.
Das macht das Ganze ein wenig umständlicher als der unbürokratisch, unpersönliche elektronische Überweisungsvorgang den wir aus weiter entwickelten Industrienationen wie Deutschland (...) kennen, gleichzeitig erlaubt es einem aber den Vorgang fotografisch festzuhalten und darüber zu berichten.
Sent via BlackBerry from T-Mobile
Der erleichterte Empfänger des ersten Gehalts kurz vor der Einlösung des Schecks, wenige Stunden bevor Miete und dutzende andere Rechnungen fällig sind...
Um dem bedeutenden Augenblick auch die gebührende Achtung zu erweisen, hier eine Liste der der bisherigen Jobs damit auch der Kontext stimmt.
- Sommerjob DAMINO Großschönau
(die blauen Metallhüte auf dem Dach, durfte ich streichen, seitdem ist dort nichts mehr passiert, Mindestlohn gibt es für Schüler keinen also wurde auch fast nichts gezahlt)
- Zivi Jugendherberge Waltersdorf
(da Zivildienst zwar kaum bezahlt, bestimmt nicht der schlimmste Job aller Zeiten aber Grund genug schnell zur Uni zu flüchten)
Grabenschaufeln mit Hoesi (lukrativ und schmerzhaft, erste Versuche in Schwarzarbeit)
- Aushilfe Jugendherberge Waltersdorf
(besser bezahlt jedoch nur von kurzer Dauer, siehe oben)
- Nachhilfe Mini Lernkreis Kreischau
(mit etwa 12 Euro die Stunde fast lukrativ, leider sprangen nur 2h die Woche dabei raus und dazu kamen 2h Fahrzeit, unter dem Strich fast Zeitverschwendung)
- Eventmanagement/Aushilfe ICA Konferenz Dresden
(natürlich unbezahlt, aber wenigstens Spaß hat's gemacht)
- Language Link Deutsch Tutor Educational Resource Center Boston University
($ 10 die Stunde, 2 Stunden die Woche...)
- Praktikant Big City Moving, Boston
(offiziell unbezahlt, mit harter Arbeit verdient man so theoretisch richtig Geld und ruiniert seinen Rücken, etc)
- Tutor TU Dresden Institut für Amerikanistik und Anglistik
(wie alle Unijobs komplett unterbezahlt, aber gut für den Lebenslauf und tot gearbeitet habe ich mich wohl nicht)
- Küchen Personal (KP) im Army Camp
(Leben mit dem Abschaum der Gesellschaft in einer Baracke für 80 Euro am Tag, immerhin einmal gesehen wie arm die Jungs (und Mädels) im Militär dran sind)
- Weinleser
(Ausbeute für 5 Euro die Stunde, aber wenigstens fühlt es sich ehrlich an und ist bis auf die Kreuzschmerzen gesund, da an frischer Luft)
- Umzugshelfer Lederwarenverarbeitungsfirma
(Schon wieder für 5 Euro ausgebeutet mit Dreckarbeit und dann aufgrund Firmenpleite nicht bezahlt worden, in Sachsen funktionieren harte Arbeit und Geldverdienen wohl nicht)
- Visiting Scholar Boston University College of Communication
(gut für den Lebenslauf, desaströs für die Ersparnisse)
- Safe and Responsible Movers
(unter der Hand der lukrativste Job, zumindest vorübergehend eine willkommene Abwechslung...)
- Telefonist Silversterumfrage für die Gema
(wiedermal für wenig Geld in Dresden gearbeitet, Spionage und Beschiss am Telefon fürs schlechte Gewissen)
- Project Manager bei Prime Research - soweit gings gut.
Wenn man den Verlauf der Liste so sieht fragt man sich vielleicht zurecht ob ich einfach nur Glück hatte oder mich jemand für die zahlreichen miesen Jobs entschädigen wollte, jedenfalls kann ich mich zur Zeit nicht beklagen und bin froh dem Kreislauf aus Gelegenheitsarbeit und Sklaverei zumindest vorrübergehend entkommen zu sein.
best,
-k
Saturday, June 26, 2010
Seismische Aenderungen
1) Zum einen hat sich nun herausgestellt warum hier ab und an ganz nervig irgendwelche Sirenen droehnen, meist bevor das Wetter schlecht wird und uns mit mehr oder weniger schweren Gewitter Schauern ueberzieht. Wie sich herausstellte, sollte diese Art Sirenenalarm ernst genommen werden (bisher hatte ich ganz ungeruehrt am Pool gesessen und spekuliert, dass ein kurzes Unwetter wenigstens die Leute vertreibt und ich dann in Ruhe schwimmen kann). So auch in dieser Woche, nur dass das Wetter so schlecht wurde dass ich dann doch widerwillig von Blitz und Donner ins Haus getrieben wurde, selbiger hielt dann auch bis in die Nacht hinein an. Am naechsten morgen erzaehlten mir unsere inzwischen wieder nach Mainz zurueckgekehrte deutsche Kollegin und die nette Praktikantin aus Milwaukee, dass sie den Abend im Keller verbrachten da es einen Tornadoalarm gegeben haette. Sieht so aus als waeren damit die Sirenen erklaert. Willkommen im Mittleren Westen, ja hier gibts auch Tornados, nur finden die angeblich nicht in Ann Arbor statt (nach Angaben meiner Ausralischen Kollegin zumindest in den letzten 8 Jahren nicht), werden aber sonst in Radio und TV angekuendigt. Dabei unetrscheidet man zwischen Tornado Watch und Tornado Alarm, und nur bei letzterem werden Leute aufgefordert sich in Gebaeude zurueckzuziehen. Wer einen Keller hat, geht in den Keller. Wer in einem Pappapartment wohnt (...) geht ins Badezimmer und legt sich in die Wanne. Wer keine Ahnung und keinen Fernseher hat, bleibt einfach am Pool sitzen und staunt, nehm ich an :)
2) Erdbeben gibts auch, wenn auch kaum wahrnehmbar. So hat zumindest kaum jemand im Buero gemerkt, dass der Fussboden ein wenig unter den Fuessen ins Schwimmen geriet, eine der Kolleginnen dachte nur ihr waehre schwindlig und sie haette am Schreibtisch geruettelt. Da nun aber mein Tisch nicht an den ihren grenzt und noch ein paar andere die Schwingung wahrgenommen hatten (und diese auch anhielt) wurde als naechstes auf Strassenbauarbeiten geschlossen -nur davon war nichts zu hoeren. Zwei Minuten spaeter brachte das Internet die Erklaerung: Erdbeben in Kanada und man konnte es wohl nicht nur In Michigan sondern auch bis Boston spueren. Lustig. Von Gefahr konnte natuerlich keine Rede sein, so mitten auf einer Kontinentalplatte passiert da nicht viel.
3) Meine Arbeitserlaubnis kam heute in der Post. Ein kleines buntes Plastikkaertchen mit Magnetstreifen, Bild, Alien-Nummer und einem verdammten Fingerbadruck meines rechten Zeigefingers. Soviel zu meiner Bewegungsfreiheit. Wenn ich hier auch nur in nem Restaurant die Zeche prelle (noch gab es ja kein Gehalt) bin ich wohl nun erschossen, denn jeder Fahndungscomputer hat meinen Fingerabdruck. Da lassen wir lieber auch alle Glaeser mitgehen um keine Spuren zu hinterlassen.
Verlegenheitsbild 1
Aus Mangel an neuen Bildern hier ein Blick auf die selbstgemachte Salsa, Guacamole und die Sour Cream. Selbige mache ich heute abend auch, damit die Jennifer auch was Essen kann wenn sie von der Arbeit kommt.
Verlegenheitsbild II
Wolkenspiel mit untergehender Sonne
und weil's so schoen war...
best,
-k
Saturday, May 29, 2010
Abschied und Neuanfang, Anfang und Ende (Part III)
Um dem Spaß dann doch ein Ende zu bereiten, hier die letzten Einrücke des großen Umzugs von der Küste nach "Middle America" - dem mittleren Westen, wo die Menschen nett sind und sich deutlich langsamer bewegen als an der Ostküste.
M. Kuhlmeier (J. Zabelsky - wenns sein muss)
Die letzten Meilen in Richtung Ann Arbor verhießen nichts Gutes, Dauerregen und noch immer keine Garantie dass wir tatsächlich unsere Besitztümer wiederbekommen.
Fast da, inzwischen kam auch die Bestätigung der Umzugsfirma, unser Besitz wir doch noch ausgeliefert
Und dann ging das Kistenschleppen auch schon wieder los, nur diesmal ohne Entgelt
Einzugsspaß I
Einzugsspaß II
Fast alles kam unbeschadet an, nur die Stehlampe war platt. Wahrscheinlich war der Hänger nicht voll und die Federung zu hart, was eine der Kisten dazu verleitet haben muss aus Langeweile auf die Lampe zu springen...
Einzugsspaß III
Noch immer keine Ende in Sicht
Das Ende vom Lied
Blick von der Haustür
Tennisplätze und Pool (nicht im Bild) befinden sich direkt hinter der Rezeption und Verwaltung direkt gegenüber unserer Haustür
Endlich Platz für meine Kleider...
Frühstück auf dem Balkon ist nun auch kein Problem mehr, es entwickelt sich nur langsam zur Qual da hier selbst morgens die Sonne schon so heiß ist dass man es in den letzten Tagen kaum aushielt...
Das Wetter ist zu sommerlich um sich ernsthaft mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass dies nicht nur ein Urlaub ist sondern eine Art neuer Lebensabschnitt (auch wenn das ein wenig dramatisch klingt). Die Kombination aus kroatischem Wetter, Pinienduft, Tennis und dem langsamen Lebenstempo, sowie der noch nicht begonnenen Arbeit haben mich schon mehrmals dazu verleitet unsere Wohnung als "(Hotel)zimmer" zu bezeichnen.
Das Wetter ist zu sommerlich um sich ernsthaft mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass dies nicht nur ein Urlaub ist sondern eine Art neuer Lebensabschnitt (auch wenn das ein wenig dramatisch klingt). Die Kombination aus kroatischem Wetter, Pinienduft, Tennis und dem langsamen Lebenstempo, sowie der noch nicht begonnenen Arbeit haben mich schon mehrmals dazu verleitet unsere Wohnung als "(Hotel)zimmer" zu bezeichnen.
Spenden und Fanpost können von nun an übrigens auch wieder empfangen werden. Für etwaige Zuwendungen etc schreibt ihr folgende Hotel Adresse auf Briefe, Karten und Pakete
M. Kuhlmeier (J. Zabelsky - wenns sein muss)
262 Harbor Way
Ann Arbor, MI 48103
USA
Vielen Dank und bis die Tage.
best,
-k
Wednesday, May 26, 2010
Abschied und Neuanfang, Anfang und Ende (Part II)
Mit Chris bei unserer ersten (und letzten) Party im Ghetto. Die umständliche Bahnfahrerei und unbeliebte Lokalität hielt oft die Gäste fern, wenn nicht die nächste Wohnung 800 Meilen weg wäre, hätten wohl auch zur Abschulssfeier die meisten eine Ausrede gehabt
Uli und David vor der Abreise in die verregnete Nacht
Mein letzter Boston Globe, Montag 17. 5. 2010
Und dann kam auch schon der Umzugstruck, nur einige Stunden zu spät denn eigentlich wollten wir bereits zu Mittag in Richtung Cape Cod aufbrechen
Dank langjähriger Umzugs- und Packerfahrung auf Seiten des Protagonisten waren die 5 Fuß zugeteilter Raum im Anhänger schnell gefüllt und Reisesicher verpackt. Den Abschluss der beiden Kistenwände bildete die Matraze, die auch den Wandspiegel sicher vorm Zerbrechen bewahrte. Die beiden gammligen Holzteile bilden eine Zwischenwand, damit noch weitere Kunden ihren Krempel in den Hänger laden können.
Fertig
Eigentlich hätten wir das Ding gleich mitnehmen sollen, immerhin lässt mein seinen gesamten Besitz nur ungern in einem Anhänger im Ghetto sitzen der dann vielleicht am nächsten Tag von der Firma abgeholt und hoffentlich nach Ann Arbor gefahren wird...
Leider hat der ganze Spaß viel zu lange gedauert so dass unser Abschieds(bade)aufenthalt auf Cape Cod daraus bestand völlig ausgehungert (seit dem Frühstück nichts gegessen) gegen 2100 im Stockdunklen ein noch nie genutztes Zelt bei knapp 13 Grad im Lichtkegel der Autoscheinwerfer aufzubauen und nach einem kurzen Abendbrot in einer Sportbar (22 Uhr) ohne Luftmatraze oder Isolation in Decken und Handtücher gehüllt die erste Nacht unserer Obdachlosigkeit zu überstehen
Frisch gestärkt durch den Cafe in einem Roadside Diner warfen wir dann einen Abschiedsblick auf den unfreunlich kühl aussehenden Atlantik, eine Art sehnsüchtiger Blick in eine Zeit in der wir Geld haben und uns bei besserem Wetter einen Urlaub auf dem Cape oder gar Martha's Vineyard leisten können
Leuchtturm in Grau, von Sonne war leider nichts mehr zu sehen und die nächste Nachte sollte verregnet sein.
Tschüß Ozean
Im Hintergrund ist Martha's Vineyard als Streifen am Horizont zu sehen
Nach einer langen Irrfahrt, 3h grundlosen Stau in NYC und New Jersey, einigen Tankstopps und dem Versagen von Jennifers Ortskenntnis in Pennsylvania kamen wir gegen 3 Uhr morgens nach Pittsburgh (das Foto stammt aus einer anderen Nacht).
Neben zahlreichen beinahe Zusammenstößen, hervorgerufen durch verwirrte ältere Frauen am Steuer oder idiotische Fahrmanöver im Großraum NY setzte ein Lateinamerikanischer Tankstellenwart dem Ganzen die Krone auf. Der alte Equadoraner war 19 Jahre lange Mathe Lehrer in seinem Land und war ganz erfreut einen Deutschen zu treffen, wollte er doch schon immer wissen was genau das Akronym DIN bedeutet, wenn ich ihn den richtig verstanden habe, denn er sprach mit starkem Akzent. Nach der Ankunft in den Staaten war er 11 Jahre Rettungsschwimmer und nun steht er im strömenden Regen und betankt Autos am Interstate 95. Soviel zum amerikanischen Traum.
Glücklicherweise gab es in Pittsburgh genug zu tun um uns auf andere Gedanken zu bringen. Ein Besuch in den Carnegie Museen war schon mal ein guter Anfang.
Zu Sehen gab es genug
Und die meisten dieser Knochen sind genauso echt wie sie alt sind
Pittsburgh hat auch einen kleinen "Mt. Washington", von welchem man einen guten Blick auf Downtown hat. Im Vordergrund der Monongahela, welcher sich mit dem Allegheny zum Ohio vereinigt.
Ann Arbors Skyline, so viel will ich dem nächsten bericht schon einmal vorweg nehmen, bietet ein weniger beeindruckendes Bild.
best,
-k
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Monday, May 24, 2010
Abschied und Neuanfang, Anfang und Ende (Part I)
So gutes Essen wie hier gab es selten, viel zu oft fehlte die Zeit und Muse zum Kochen.
Zu den nennenswerten Akten mit Sentimentalwert zählen die beiden Red Sox Spiele gegen die Angels und die Blue Jays. Wenn etwas aus Boston der Stadt ein zuhause machen kann, dann sind das die Red Sox und Fenway Park. Schon beim Eintritt ins älteste Baseball Stadium des Landes verspürt man den Zauber des geschichtsträchtigen Ortes, in dem man schon Anfang des 20. Jh. das Team bewundern durfte, damals wahrscheinlich im Anzug und mit Melone. Heute sieht das anders aus, doch über die Lautsprecher dröhnt noch immer das alte Baseball Lied im 7. Inning, und dann kurz darauf Neil Diamonds Sweet Caroline, 81 mal im Jahr und jedesmal singen 37,000 und ein paar zerquetschte aus voller Kehle den Refrain. Spätestens dann merkt man was Boston ausmacht, was ihr einen Character gibt, den ich woanders (ganz besonders in New York) noch nicht gefunden habe: Es sind die Fans der Red Sox, das Team und der Ballpark, mehr noch als die Geschichte, der Hafen oder das Wetter. Es ist die große Grüne Wand in Left Field, das Grüne Monster, die $ 7,25 Hot Dogs (die 2 Blocks weiter nur noch $ 1 kosten), die nervigen Süßwaren und Getränkeverkäufer in ihren gelben Uniformen, die illegalen Ticketverkäufer auf der Straße, der unfreundlich, hart klingende Boston Akzent mit den fehlenden R's und den gedehnten A's, und die verstopfen U-bahnen und Straßen vor und nach den Heimspielen, die paranoiden Sportjournalisten des Globe, die Sporttalkshows im Radio, die Weltuntergangsstimmung nach einer Niederlage. Die Stadt steht und fällt mit ihrem Team, und die Fans sind Teil des Teams.
Big Papi hatte einen furchtbaren Tag gegen die Angels und schwang des öfteren ins Leere, das Spiel gewannen wir trotzdem
Jennifer's erstes Red Sox Spiel - ein Hochzeitsgeschenk unserer bayrischen Freundin Uli (rechts)
Youkillis 8tes Inning gegen Toronto, einem weiteren "gesponsorten" Spiel
Das große Scoreboard kündigt Daniel Bard an, den "Flammenwerfer" dessen Fastball bis zu 101 mph erreicht
Papelbon, der Fanfavorit und Closer feuert einen 95mph Fastball über die Platte und nicht nur die Zuschauer wissen das es vorbei ist
Mit der Abreise aus der Stadt kam auch der Abschied vom Globe, denn selbigen wird man wohl kaum bis nach Michigan liefern. Der Anruf beim Kundenservice fiel mir schwerer als der Abschied von Freunden und Bekannten bei unserer kleinen Abschlussfeier am Freitag (14. 5.). Das gegenüber jemand verhaftet wurde uns daher kurzzeitig die ganze Straße gesperrt, die Vermieterin von der Polizei vom Verlassen des Hauses gehindert wurde hat keiner etwas gemerkt. Im Gegenzug verpasste die Polizei dann wie Jen und ich wohl leicht angetrunken die letzten Feuerwerkskörper vom 4. Juli letzten Jahres am Hafenkanal verpuffen ließen.
Randy versucht sich für den Globe zu interessieren
Und so endete die Zeit in Boston genauso wie sie anfing, aufregend, erlektrisierend und mit immer neuen Überraschungen und Erlebnissen und täuschte damit fast über die Tatsache hinweg, dass besonders die letzen Wochen und Monate hier eine Qual waren, Jennifer sich mit der Arbeit aufreibt, die Uni vernachlässigen muss, kaum Geld für die Miete da ist und ich nutzlos auf meine Papiere warten muss, nicht in der Lage zu helfen und auch bei weitem nicht glücklich mit dem Leben so nahe am Ruin. Denn auch das war Bosten, der verzweifelte Kampf gegen die sich ringsumher auftürmenden Kosten, eine mickrige Wohnung im Ghetto, umgeben von Drogendealern (die mir nie so aufgefallen sind wie Jennifer), zu niedrig fliegenden Flugzeugen, Müll und nerviger Musik aus El Salvaor, Polizeisirenen, und sinnlosen Autoalarmanlagen die auf Tiefflieger und streunende Katzen reagieren und der viel zu lauten Familie der Vermieterin mit dem viel zu oft schreiendem Ehemann aus Peru, von Jennifer liebevoll "der dicke Mann" getauft und deren über unseren Köpfen herumtollenen Hunden der Vermieterin, Jennifers Versuche mit Ohrenstöpseln zu schlafen in unserer von Kakerlaken nie wirklich befreiten Bude etc.... Und nicht einmal dafür reichte das Geld am Ende wenn du nicht arbeiten darfst. Und vom Meerblick am Hafen, den glitzernden Bars und den reflektierenden Wolkenkratzern im Finanzviertel wurde ich auch nicht satt.
Das alles aber lassen wir zurück, und wahrscheinlich noch mehr, jedenfalls erwarteten wir Montag Morgen dem 17. 5.gegen 8 den Umzugstruck.
Die erste Kiste ist gepackt
langsam ordnet sich das Chaos
Schlafzimmer, Samstag, 15. 5.
best,
-k
Friday, April 03, 2009
Der Große Umzug (mit Zahlen)
ist vielleicht ein typisch übertriebener Aufmacher für die folgenden Zeilen aber irgendwie muss man ja anfangen und klischeehafte Überschriften sind fast genauso gut wie originelle. Und außerdem kürzer.
Bereits bei meiner Ankunft stelle sich heraus das meine Mitbewohnerin noch bei weitem nicht alles gepackt hatte und ich trotz wochenlanger Drohungen und Proteste wohl doch so einiges einzupacken haben würde bevor der eigentliche Umzug von Statten gehen konnte. Als kleine Gegenüberstellung und zur verdeutlichung hier mal eine grobe Schätzung über die Verteilung der Besitztümer des neu zusammengelegten Haushaltes:
Gesamt:
Jennifer 96% : Matthias 4%davon bis Dienstag gepackt:
Jennifer 35% : Matthias 97%
--> PROBLEM
Unter diesen Voraussetzungen legte ich gewzungenermaßen die Montag- und Dienstagabendpläne auf Eis und beteiligte mich freudestrahlend an den umfangreichen Packunternehmungen.
Neben etwa 2 Dutzend Kartons die schätzungsweise zu 6/10 mit Makeup gefüllt sind, haben wir einen Wäschekorb und zwei Foliebeutel mit Schuhen gefüllt von denen, und das verspreche ich, keiner mir gehört.
Daran schließt sich an ein Set aus 5 matroschkaartig ineinanderstapelbaren Reisetaschen die allesamt mit Kleidung gefüllt wurden. Doch dies war natürlich nur ein Bruchteil der real in der Wohnung verstauten Kleidung, der Löwenanteil verteilte sich auf Ikea Beutel, Säcke, Großkartons, Reisetaschen, Waschkörbe, Garderobebeutel zum Aufhängen etc.
Allein die für das Aufhängen einiger Kleidungsstücke benötigten Bügel füllten einen 80 Liter Müllsack und eine weitere Tasche.
Nach dem heiteren Einräumen im blitz-blanken, fast staubfreien Zimmer (Ironie) wurde dann am Mittwoch ab 9:15 Uhr umgezogen. Und das mit hilfe eines 15 Fuß Umzugstrucks, den wir zum Preis des eigentlich vorbestellten 10 Fuß Vans erhielten. Und dieser Umstand stellte sich als Glücksfall heraus da wir damit tatsächlich eine Chance hatten alles auf einmal mitzunehmen.
Wärend Jennifer nocheinmal kurz an der Uni war, habe ich kurz mit meinem noch immer im Umzugsgeschäft tätigen Kumpel Chris die wenigen Möbelstücke (Matraze, Schreibtisch, Dresser mit Schubladen und Ikea-Wackel-Kleidungsverstauding) in den Truck geladen um dann zu versuchen den Rest der Möbel und Kisten vor Jennifers Rückkehr bereits im Auto verstaut zu haben und damit der Verlegenheit zu entgehen mit ihren Freundinnen Umzugskartons zu schleppen.
Der Abbau des Bettes (Malm, Ikea) war noch eine Geschichte für sich. Nachdem ich Chris ausgeredet hatte das Ding im Ganzen aus dem Fenster aufs Vordach zu schieben um es dann von dort nach unten zu würgen, stellt sich die Demontage als echte herausforderung dar, da man selbst für Ikea Betten Werkzeug benötigt und in der nun zu einer Mondlanschaft verkommenen Ramschwüste natürlich weder eine Zange noch ein 13er Maulschlüssel aufzufinden war. Nachdem Jennifer von der Ernsthaftigkeit der Lage überzeugt war und ich mich nach dem Genuss eines von Chris gesponsorten Proteinriegels (für den gesunden Muskelaufbau während der schweren Arbeit), der bei verschiedenen Menschen als Abführmittel zu wirken scheint (...), zur Besinnung ins Bad verzogen hatte, brachte Jennifer dann einen PINKFARBENEN WERKZEUGKOFFER für FRAUEN hervor, der ungenutzt als Geschenk ihrer Tante ein bis dahin trostloses Dasein unter einem Ramschberg gefristet hatte und mit wahrscheinlich für Barbiepuppen konzipierten Werkzeugchen auch weiterhin keine große Hilfe sein konnte. Als dann doch der zum Bett gehörige Ikea Ringschlüssel auftauchte war auch das Bett dann schnell demontiert und verladen und mein Magen halbwegs beruhigt.
Und so kam es, dass all meinen Befürchtungen zum Trotze, wir tatsächlich gegen 14 Uhr die 9 Meilen Wegstrecke zurückzulegen begannen. Hinaus aus Allston und auf großer Reise zurück in den Osten, durch das Tunnelsystem unter der Stadt und dem Hafen hindurch auf die Halbinsel und so nahe an den Atlantik das wir nun doch schon fast wieder in Europa sind.
Naja, nicht ganz. East Boston ist genau genommen nicht wirklich ein Stadtviertel sondern ein Flughafen.
Und auf selbiger steht am Rande des besseren Wohnviertels auf der Grenze zum Ghetto sozusagen unsere kleine Kartonhütte mit den Flughafenfesten Fenstern -deren Sinn mir angesichts der etwa 12 cm starken Holzwände nicht völlig aufzugehen vermag, da sie unter diesen Umständen die einzigen Schallreduzierenden Elemente des ganzen Hauses sind und die gegen 5 und 6 Uhr morgens auf unserem Dach landenen Boeings und Airbus Maschinen einen Weg gefunden haben, ihr Röhren und Dröhnen an den Fenstern vorbei direkt und von Erschütterungen begleitet in unsere Ohren einzulagern.
Aber gut, dafür ist wenigsten die Wohnung ganz nett und liegt zumindest wenn man nicht aus den Fenstern schaut und beim Weg zur Bahnhaltestelle (Airport) die ersten 50m die Augen geschlossen hält, eine ganz nette Nachbarschft. Das Häuschen neben unsrem sowie ein Großteil east Bostons ist fest in der Hand von Immigranten und Internationalen, deren Sprachen ich leider nicht spreche.
Und das kann durchaus problematisch sein, wie wenn man zum Beispiel nur mit einer grob im Kopf behaltenen Karte des Stadtviertels bei finsterer Nacht und in strömendem Regen allein versucht den Weg von der Haltestelle zurück zum vorher nur mit dem Umzugsauto angesteuerten Domizil zu finden. Nachdem ich die von der Vermieterin angegebene Laufzeit von 10 min leicht überschritten hatte und mir begann im Kopf ein hilfloses "Buena sera senor, una pregunta: Donde esta Putnam street?" samt möglicher Antwortalternativen (zum besseren Heraushören) zusammenzulegen traf ich doch noch englishsprachigen East Bostoner und erfuhr von ihm dass ich doch gar nicht so weit von meinem Ziel entfernt war, un doc, obwohl dies eine nicht undbedingt als gefährlich einzustufende Gegend sei, immer aufpassen sollte was um mich herum so passiert. Vielen Dank gut zu wissen, aber das sind wir doch inzwischen gewöhnt.
Das wirkliche Problem des Viertels, so wie ich es bishe einschätzen kann, ist auch nicht die Kriminalität, das wird oft übertrieben, sondern eher das bereits von meine Freunden hier kritisierte Fehlen an Kneipen, Bars, Läden und Cafes (abgesehen natürlich von Taco Mania und zahlreichen lateinamerikanischen Waschsalons, Friseuren und Restaurants. East Boston ist und bleibt trotz und vielleicht auch gerade wegen der Tunnels über die man es erreicht ein wenig vom Stadtzentrum und damit aber auch von Touristenmassen oder den in Allston üblichen umherstreunenden Studenten und BU-Kids verschont. Den einen ist es zu weit weg, den anderen die Maut oder das Taxi zu teuer, oder die Bahn fährt nicht mehr.
Ich finde es interesant und freue mich drauf ein bisschen mehr zu entdecken. Immerhin gibt es laut Internet ganze 8 Sehenswürdigkeiten, zu denen, und das sei hier relativierend noch bemerkt, auch ein Fussballplatz und eine Maria Statue gehören. Aber die anderen 6 werden hier bestimmt bald dokumentiert.
best,
-k
Blick auf das "alte Domizil"
Das neue Haus
Umzugschaos mit Statistin
Das Schlafzimmer entwickelt sich langsam
Blick über den Küchentresen zur Eingangstür
Badezimmer Stilleben
Fast gar kein Fleisch im Kühlschrank :(
Bereits bei meiner Ankunft stelle sich heraus das meine Mitbewohnerin noch bei weitem nicht alles gepackt hatte und ich trotz wochenlanger Drohungen und Proteste wohl doch so einiges einzupacken haben würde bevor der eigentliche Umzug von Statten gehen konnte. Als kleine Gegenüberstellung und zur verdeutlichung hier mal eine grobe Schätzung über die Verteilung der Besitztümer des neu zusammengelegten Haushaltes:
Gesamt:
Jennifer 96% : Matthias 4%davon bis Dienstag gepackt:
Jennifer 35% : Matthias 97%
--> PROBLEM
Unter diesen Voraussetzungen legte ich gewzungenermaßen die Montag- und Dienstagabendpläne auf Eis und beteiligte mich freudestrahlend an den umfangreichen Packunternehmungen.
Neben etwa 2 Dutzend Kartons die schätzungsweise zu 6/10 mit Makeup gefüllt sind, haben wir einen Wäschekorb und zwei Foliebeutel mit Schuhen gefüllt von denen, und das verspreche ich, keiner mir gehört.
Daran schließt sich an ein Set aus 5 matroschkaartig ineinanderstapelbaren Reisetaschen die allesamt mit Kleidung gefüllt wurden. Doch dies war natürlich nur ein Bruchteil der real in der Wohnung verstauten Kleidung, der Löwenanteil verteilte sich auf Ikea Beutel, Säcke, Großkartons, Reisetaschen, Waschkörbe, Garderobebeutel zum Aufhängen etc.
Allein die für das Aufhängen einiger Kleidungsstücke benötigten Bügel füllten einen 80 Liter Müllsack und eine weitere Tasche.
Nach dem heiteren Einräumen im blitz-blanken, fast staubfreien Zimmer (Ironie) wurde dann am Mittwoch ab 9:15 Uhr umgezogen. Und das mit hilfe eines 15 Fuß Umzugstrucks, den wir zum Preis des eigentlich vorbestellten 10 Fuß Vans erhielten. Und dieser Umstand stellte sich als Glücksfall heraus da wir damit tatsächlich eine Chance hatten alles auf einmal mitzunehmen.
Wärend Jennifer nocheinmal kurz an der Uni war, habe ich kurz mit meinem noch immer im Umzugsgeschäft tätigen Kumpel Chris die wenigen Möbelstücke (Matraze, Schreibtisch, Dresser mit Schubladen und Ikea-Wackel-Kleidungsverstauding) in den Truck geladen um dann zu versuchen den Rest der Möbel und Kisten vor Jennifers Rückkehr bereits im Auto verstaut zu haben und damit der Verlegenheit zu entgehen mit ihren Freundinnen Umzugskartons zu schleppen.
Der Abbau des Bettes (Malm, Ikea) war noch eine Geschichte für sich. Nachdem ich Chris ausgeredet hatte das Ding im Ganzen aus dem Fenster aufs Vordach zu schieben um es dann von dort nach unten zu würgen, stellt sich die Demontage als echte herausforderung dar, da man selbst für Ikea Betten Werkzeug benötigt und in der nun zu einer Mondlanschaft verkommenen Ramschwüste natürlich weder eine Zange noch ein 13er Maulschlüssel aufzufinden war. Nachdem Jennifer von der Ernsthaftigkeit der Lage überzeugt war und ich mich nach dem Genuss eines von Chris gesponsorten Proteinriegels (für den gesunden Muskelaufbau während der schweren Arbeit), der bei verschiedenen Menschen als Abführmittel zu wirken scheint (...), zur Besinnung ins Bad verzogen hatte, brachte Jennifer dann einen PINKFARBENEN WERKZEUGKOFFER für FRAUEN hervor, der ungenutzt als Geschenk ihrer Tante ein bis dahin trostloses Dasein unter einem Ramschberg gefristet hatte und mit wahrscheinlich für Barbiepuppen konzipierten Werkzeugchen auch weiterhin keine große Hilfe sein konnte. Als dann doch der zum Bett gehörige Ikea Ringschlüssel auftauchte war auch das Bett dann schnell demontiert und verladen und mein Magen halbwegs beruhigt.
Und so kam es, dass all meinen Befürchtungen zum Trotze, wir tatsächlich gegen 14 Uhr die 9 Meilen Wegstrecke zurückzulegen begannen. Hinaus aus Allston und auf großer Reise zurück in den Osten, durch das Tunnelsystem unter der Stadt und dem Hafen hindurch auf die Halbinsel und so nahe an den Atlantik das wir nun doch schon fast wieder in Europa sind.
Naja, nicht ganz. East Boston ist genau genommen nicht wirklich ein Stadtviertel sondern ein Flughafen.
Und auf selbiger steht am Rande des besseren Wohnviertels auf der Grenze zum Ghetto sozusagen unsere kleine Kartonhütte mit den Flughafenfesten Fenstern -deren Sinn mir angesichts der etwa 12 cm starken Holzwände nicht völlig aufzugehen vermag, da sie unter diesen Umständen die einzigen Schallreduzierenden Elemente des ganzen Hauses sind und die gegen 5 und 6 Uhr morgens auf unserem Dach landenen Boeings und Airbus Maschinen einen Weg gefunden haben, ihr Röhren und Dröhnen an den Fenstern vorbei direkt und von Erschütterungen begleitet in unsere Ohren einzulagern.
Aber gut, dafür ist wenigsten die Wohnung ganz nett und liegt zumindest wenn man nicht aus den Fenstern schaut und beim Weg zur Bahnhaltestelle (Airport) die ersten 50m die Augen geschlossen hält, eine ganz nette Nachbarschft. Das Häuschen neben unsrem sowie ein Großteil east Bostons ist fest in der Hand von Immigranten und Internationalen, deren Sprachen ich leider nicht spreche.
Und das kann durchaus problematisch sein, wie wenn man zum Beispiel nur mit einer grob im Kopf behaltenen Karte des Stadtviertels bei finsterer Nacht und in strömendem Regen allein versucht den Weg von der Haltestelle zurück zum vorher nur mit dem Umzugsauto angesteuerten Domizil zu finden. Nachdem ich die von der Vermieterin angegebene Laufzeit von 10 min leicht überschritten hatte und mir begann im Kopf ein hilfloses "Buena sera senor, una pregunta: Donde esta Putnam street?" samt möglicher Antwortalternativen (zum besseren Heraushören) zusammenzulegen traf ich doch noch englishsprachigen East Bostoner und erfuhr von ihm dass ich doch gar nicht so weit von meinem Ziel entfernt war, un doc, obwohl dies eine nicht undbedingt als gefährlich einzustufende Gegend sei, immer aufpassen sollte was um mich herum so passiert. Vielen Dank gut zu wissen, aber das sind wir doch inzwischen gewöhnt.
Das wirkliche Problem des Viertels, so wie ich es bishe einschätzen kann, ist auch nicht die Kriminalität, das wird oft übertrieben, sondern eher das bereits von meine Freunden hier kritisierte Fehlen an Kneipen, Bars, Läden und Cafes (abgesehen natürlich von Taco Mania und zahlreichen lateinamerikanischen Waschsalons, Friseuren und Restaurants. East Boston ist und bleibt trotz und vielleicht auch gerade wegen der Tunnels über die man es erreicht ein wenig vom Stadtzentrum und damit aber auch von Touristenmassen oder den in Allston üblichen umherstreunenden Studenten und BU-Kids verschont. Den einen ist es zu weit weg, den anderen die Maut oder das Taxi zu teuer, oder die Bahn fährt nicht mehr.
Ich finde es interesant und freue mich drauf ein bisschen mehr zu entdecken. Immerhin gibt es laut Internet ganze 8 Sehenswürdigkeiten, zu denen, und das sei hier relativierend noch bemerkt, auch ein Fussballplatz und eine Maria Statue gehören. Aber die anderen 6 werden hier bestimmt bald dokumentiert.
best,
-k
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