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Wednesday, June 17, 2009

Mein kleines Universum und die andere Seite des Lebens im Urlaub

Um den Fokus nun langsam -leider- wieder zurück zum richtigen Leben abseits der großen bunten Lakeshow und NBA Finals zu bringen hier mal ein paar kurze Updates was sonst noch passiert ist.
Wie schon erläutert vertrete ich die Theorie dass mitunter einzelne Events und Ereignisse die Fähigkeit haben eine positive Energie auszustrahlen (wenn man sie lässt) und davon kann man sich anstecken lassen und profitieren. Andere nennen dies eie Glückssträhne. Für mich ist diese Art Glück meist an den Erfolg und Misserfolg des gerade wichtigsten Sporteams in meiner kleinen Welt gebunden. Ich erinnere an den Blogpost der Kobe's Lakers und deren Spielerfolg an jene 24h Glück knüpfte in denen Jennifer einen Job fand, ich zu Patterson geladen war und Big Papi seinen ersten Saisonhomerun in den Bostoner Abendhimmel feuerte. Aberglaube oder Placebo-Effekt, es spielt keine Rolle solange es funktioniert. Nun spielen sich die Lakers in den Finals in einen Rausch, gleichzeitig (und bestimmt rein zufällig) läuft für mich persönlich fast alles nach Plan. Nach ewigen Startschwierigkeiten und monatelangen Bücherwälzen sind endlich die ersten Seiten meiner Arbeit geschrieben und gingen recht leicht von der Hand, gleichzeitig ergab sich endlich eine Möglichkeit wieder ein wenig zu trainieren, wenn auch vorerst nur in einem Fitness Studio in Brookline aber doch immerhin mit Chris und damit steigt die Motivation es auch durchzuziehen da ich nicht alleine gehen muss. Dies alles passierte während der Finals, doch zum krönenden Abschluss und fast zeitgleich mit Kobe's Triumph in den Finals beschloss dann der Förderverein der TU Dresden meine Magisterarbeit mit etwas Geld zu unterstützen, und das auf eine nur sehr vorsichtige Anfrage. Dazu kam, jedoch schon einige Tage vorher die erwartete Rückmeldung vom Direktoren des New England Center for Investigative Reporting erhielt, einer Inititive lokaler Medien und der Boston University jungen Journalisten Einblick in Investigativen Journalismus zu gewähren -mein Praktikum dort soll nun Ende Sommer beginnen. Bleibt nur zu hoffen, dass die MA Arbeit bis da geschrieben ist und mir das Geld nicht ausgeht, denn bezahlt werde ich dort nicht. Zum ersten Mal überhaupt bin ich jedoch damit einverstanden nicht bezahlt zu werden, denn immerhin gibt mir ein Praktikum hier einen wichtigen Zusatzpunkt zum Lebenslauf, und die Möglichkeit endlich etwas zu tun, was ich schon immer machen wollte.
Soviel zu den guten Nachrichten, doch bevor alle Neider mit den Köpfen schütteln mal ein Ausschnitt aus der anderen Seite des "kleinen Universums" das ich mein Leben nenne.
Im Schnitt weckt uns ein Wecker jeden Wochentag zwischen 7 und 8, dann gibts ein schnelles Frühstück, bestehend aus einem Bagel mit Erdnussbutter und etwas Obst, Orangensaft manchmal. Aufgrund horrender Zeitprobleme wird die hälfte dann teilweise im Gehen zur Bahn gegessen, der Boston Globe ungelesen in mein Tasche gestopft, Jennifers Tasche auf meine andere Schulter gehangen. Dann quälen wir uns zur Bahn, Jennifer mit Schmerzen in ihren Füßen, die sie nun zur Einnahme von Schmerztabletten zwingen, da ihre Schuhe schlecht sind und sie den ganzen Tag steht und rennt. Kurze Verabschiedung dann in der U-bahnstation, ich gehe zur Uni, Jennifer entweder zum Bodyshop oder nach Cambridge zu Legal Seafood. Dann arbeitet sie meist 2 Schichten, entweder beide als Kellnerin oder eine im Body Shop als Verkäuferin, oder eine 8h Schicht im Body Shop. Der Verkaufsjob ist langweilig und bringt ausser schmerzenden Füßen auch kaum 10 Dollar die Stunde und obendrauf den ein oder anderen Diebstahl wenn sie alleine ist und von einer organisierten Bande umgangen wird. Immerhin hat sie selbige gestern wieder erkannt und den Sicherheitsdienst herbeigerufen per Haustelefon, Codewort: "Spezialabholung im Body Shop" damit auch keiner was merkt.
Von diesen Geschichten höre ich meist nur am Telefon oder per Nachricht, denn sehen kann ich Jennifer nicht. Wenn sie um 2100 den Laden dicht macht und die Kassen schließt ist sie frühestens 2230 zuhause. Das ist zeitig. Die Abendschicht im Legal Seafood geht vor 2300 nicht zuende, kann aber auch länger dauern und dann ist sie nicht vor 2400 zuhause. Da ich es weder solange in der Bibliothek noch im Fitnessstuio aushalten kann (schließt 2100) sitze ich allein zuhause und versuche meine verbleibende Energie zum aufräumen zu nutzen, oder zum abwaschen, kochen... oder bereite mich darauf vor sie wieder vom Boden aufzukratzen wenn wieder irgendein Schwein seine schlechte Laune an der Kellnerin ausgelassen hat oder zu pöbeln anfängt dass es in einem gehobenen Mittlklasserestaurant nicht ALLE Cocktails des Planten gibt.
Hungrig bin ich dazu auch immer, und da keiner Zeit zum kochen hat und das Essen ausser Haus -jeden Tag mindestens 1-2 Mal- zu teuer wird versuche ich wenigstens abends zuhause zu essen. Das ganze Gemüse im Kühlschrank wird welk, denn alleine kann das keiner essen und sonst ist niemand da, 1 Uhr morgens hat Jennifer zwar Hunger aber zum Kochen ist es wohl dann zu spät. Also schuster ich mir ein Essen, schaue Baseball, oder mache sauber. Dazu kommt sonst nämlich niemand und Mutti ist leider zu weit Weg und hat auch selber zu tun. Wenn Jennifer dann am Donnerstag mal einen Tag frei hat wird sie wohl einfach zuhause liegen bleiben, denn laufen tut weh, joggen fällt vorrübergehend auch flach. Vielleicht kommt sie mal dazu ihre Wäsche zu waschen, wäre das erste mal seit dem Einzug im April. Oder sie schlägt sich mit der Versicherung rum, die über Monate eine Zahlung verweigert haben und wegen denen sie seit langen von den behandelnden Ärzten/Krankenhäusern gemahnt wird (ein mal pro Woche), oder sie pflanzt den Rest unserer Blumen in den Garten (die gutmütige Vermieterin hatte die zwar gekauft hat aber keine Zeit für Gartenarbeit)...
Zusammenfassend, jede Welt hat seine andere Seite, über die redet nur meist keiner. Die prinzipiellen Komponenten der meinigen sind: ein klein wenig Gartenarbeit + Frühstück, wenn Zeit ist (Hobby), Fitnessstudio mit Chris (physischer Ausgleich), Campus und Magisterarbeit, Lakers (bis letzten Montag). Und wo wir schon bei den Weltall-Metaphern sind (das klingt nun richtig blöd), all diese Komponenten kreiseln um die Sonne, nur sehe ich selbige in letzter Zeit kaum da sie zu oft hinter den Wolken ist bzw. mühsam und ein wenig selbstzerstörerisch versucht ihren Lebensunterhalt als Kellnerin und Verkäuferin zu verdienen -und nicht etwa Auslandsaufenthalt und Doktorarbeit zu planen dafür ist nun beim besten Willen keine Zeit mehr.
Dies nur damit keiner neidisch wird, denn die folgenden Bilder sprechen doch eine ganz andere Sprache.

Fundstücke von Carson Beach... keine Angst ist schon Monate her

Blüte
Kräutergarten mit Tomaten und Paprika - Hobby für alte Leute...

Blumen Pflanzen - sieht nett aus ist aber wohl doch eher eine Rentnerbeschäftigung


Katze

Blüte in Laker-lila

Erinnerung an Jennifer's letzten freien Tag vor 1,5 Wochen... Swampscott Muscheln

best,
-k

Monday, June 08, 2009

Visuelles


Sonnenuntergänge geben immer das beste Licht


Sunset, East Boston am Hafen, im Hintergrund die Tobin Bridge - eine von zwei Möglichkeiten mit dem Auto nach Downtown zu kommen.


Wenn dann mal Flugzeuge über East Boston landen, dann geht das fast den ganzen Tag so, glücklicherweise passiert das aber nur 1-2 Mal die Woche.


Neuer Trainingsplatz am Charles River, jetzt könne die Jogger und Läufer auch an den Geräten protzen, werd mal sehen ob ich das auch kann


Arbeitsplatz bzw. Buchlager


Swampscott, MA - Sonntagsausflug an Jennifers erstem freien Tag in 2 Wochen


Strandleben

Künstlerin


noch mehr Strand in Abendstimmung

Tuesday, May 26, 2009

Die Weichen sind gestellt

so glaubte ich zumindest, ob des ereignisreichen vergangenen Mittwochs, während dessen kurzen 24h umspannenden Lebens doch so einiges passierte:

- Zum einen bewies Kobe Bryant allen, dass man zur Not auch ganz allein ein Basketballspiel gewinnen kann, wenn es denn sein muss. Damit wies er nicht nur Kritiker in die Schranken und stieß allen LeBron-Verehrern vor den Kopf sondern bereitete die Welt auch auf eine spannende Western Conference Finals Serie vor, die seitdem auch fast nicht enttäuscht hat (Ausnahme war die Klatsche letzte Nacht).
Mit diesem Spiel rückte Kobe dann auch die Sterne in eine für mich (und offenbar mein unmittelbares Umfeld) günstige Konstellation und die nächsten 24h brachten nur Gutes mit sich.

- Zuerst ging es auf große Reise, über den großen Fluss nach Cambridge zu einem kurzen Gespräch mit einem der führenden Politik- und Medienwissenschaftler des Landes, ganz gemütlich auf der Couch mit kenianischem Kaffee in einem der vielen schicken Institutsgebäude in Harvard. Es ist schon erstaunlich wie hilfsbereit Forscher und Wissenschaftler untereinander sind, da bekommt man mal eben ein paar Tipps mit auf den Weg und das alles für lau, (nur der Kaffee war heiß), und angeregt von dieser Erfahrung ist man doch immer wieder aufs Neue motiviert und fühlt sich angesteckt von einer Art kreativer Energie die hier zwischen den Universitätsgebäuden, Campuswiesen, Starbucks und Coffeeshops sowie Bibliotheken und hervorragenden Buchläden zu pulsieren scheint, ständig bestärkt durch den Anblick anderer "Freaks" die offenbar auch nichts besseres vor haben als Ihre Gehirne mit gedrucktem Wissen zu füllen um dann irgendwie und irgendwann mal eine gute Arbeit zu schreiben, die dann hoffentlich der Menschheit oder einem Bruchteil ebendieser (zumindest theoretisch) nutzt.

- Kurz darauf kam Jennifer von Ihrem 2. Interviewtermin bei Legal Seafoods zurück und hatte nun endlich die Zusage für einen Job in der Tasche. In der wirtschaftskrisengeschüttelten Region ist die Zusage selbst für einen Server-Job ein Erfolg, immerhin muss man um diese zu bekommen erstmal an die 20 Bewerbungen abschicken, anrufen, zum Interview erscheinen und Fragebögen ausfüllen. In diesem Fall kam zum Bewerbungsbogen ausfüllen ein Interview beim Manager, daraufhin ein Interview beim 2. Manager und ein Persönlichkeitstest (natürlich multiple choice) und wohl selbst für nicht Kommunikationswissenschaftler recht einfach zu durchschauen. Damit nicht genug, dann am Mittwoch das zweite Vorsprechen, beim 3. Manager und einem mündlichen Persönlichkeits- und Profiltest, um sicher zu gehen dass die neue Bedienung auch wirklich voll und ganz hinter dem Restaurant steht (und nicht etwa hinter der Dissertation) und sich alle Gäste bei ihr wohlfühlen werden, ja müssen. Nun das Ende von Lied ist nun eine uns vor dem finanziellen Ruin rettende Anstellung und die Aussicht auf lebensnotwendige, reichliche Trinkgelder in einem upscale Restaurant mit von der Rezession nur peripher tangierten Kunden. So hofft man zumindest.
Und da ist Jennifer auch in guter Gesellschaft, zu den anderen Neueingestellten gehören Doktoranden, Master Absolventen, und sogar ein Koch der nach über 10 Jahren noch mal ein paar Gäste sehen möchte und nicht nur immer die Küche. Angesichts der hochklassiken Konkurrenz um den vermeintlich simplen Bedienungsjob erfährt die Anstellung noch einiges an Prestige.

- Drittens, gesellte sich zu diesen schwindelerregend positiven Neugkeiten (die ohne Kobe natürlich nie möglich gewesen wären) die Tatsache, dass der seit Saisongebeginn vor sich hin vegetierende Starslugger der Red Sox dann doch seinen ersten Saisonhomerun gen Himmel schoß, die gesamte Stadt spürbar entlastet durchatmen konnte und nun alle auf eine Rückkehr zu Normalproduktion hofft und bangt.

- Um dem ganzen ein i-Tüpfelchen aufzusetzen schlugen die Magic dann noch die Cavs im ersten Conference Finale im Osten, eine Art letzter Ausläufer der von Kobe erzwungenen 24h Glück im Leben des Protagonisten.

Seit dem hat Jennifer nun offiziell ihr Training (für eine Woche) im Legal Seafoods begonnen und wird vorraussichtlich schon Ende der Woche als Bedienung Trinkgelder kassieren dürfen (gerade rechtzeitig zur Graduation in Harvard und MIT, wenn die stolzen Eltern und Großeltern mit ihren nun in akademisches Gewand gekleideten Snob-kids in die Restaurants strömen und ordentlich das Portemonnaie aufreisen). Das Wetter war größtenteils gut und erlaubte auch passend zum Memorial Day ein kleines BBQ mit Tom und Diane in unserem kleinen Vorgarten, der nun Dank heroischer Umgrabearbeiten des Autoren auch tatsächlich so etwas ähnliches wie lockeren Mutterboden vorweist und damit hoffentlich bald viele dicke Tomaten und Paprikaschoten produziert.

Nun ist es schon Dienstag vormittag, Zeit mal etwas produktiv zu werden und zumindest ein Outline für die MA-Arbeit aufs Papier zu hämmern. Denn nun, da die Weichen gestellt sind, muss der Zug auch mal abfahren!

best
-k

-Und allen Geburtstagskindern alles Gute!

BU Beach
Zuhause im Urlaub...Im Urlaub zuhause
Gärtner
Neuer Nachbar
schon wieder die Skyline

:)

Am Strand, Carson Beach, Dorchester Bay
Carson Beach II
Einsiedler

Happy Memorial Day (BBQ)

Saturday, May 16, 2009

Jorge und Jesus und Jose (Disclaimer:Satire)

oder wie auch immer sie heißen mögen pfeifen noch immer meiner Freundin hinterher. Und das geht ihr auf die Nerven. Noch schlimmer ist es wenn sie in ihren Ghettokarren langsam neben ihr her rollen um sie zu mustern oder gar anhalten um dann mit aufheulendem Motor von dannen zu preschen. So geht es einer jungen Frau, die sich im Latinoviertel klar als Minderheit verstehen muss und die meisten Kommentare auch gar nicht versteht. Doch nicht nur die Mittel- und Südamerikaner verfolgen sie in meiner Abwesenheit und versuchen auf rechte plumpe Art ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, letztends hat sogar der alte zottige Penner unter ihren Regenschirm geschaut, obwohl er sich dafür bücken musste. (Meine Begründung hierfür war, dass er ob ihrer Körpergröße vielleicht dachte der Schirm ging ganz von alleine die Straße hinab, da man wohl mit so kleinen Leuten hier nicht rechnet).
Darüber hinaus haben Jorge, Jesus und Jose und ihre meist dicken und billig geschminkten Muttis (die laut einem nun aus dem Radio verbannten Kritiker den USA nichts außer Geschlechtskrankheiten und Damenbärten gebracht haben) noch die unausstehliche Angewohnheit in diesem schönen Land der unbegrenzten Möglichkeiten genauso vor sich hin zu gammeln wie in der Dritten Welt aus der sie illegal über den Rio Grande hierher geschwommen sind. Weder Recycling noch Hundekotaufheben sind den bestimmt zum großen Teil illegalen hierher gekommenen ein Begriff. Stattdessen hängen sie halbnackt in ihren muffigen Buden rum und starren meiner Freundin auf den Arsch wenn sie zur Arbeit geht. Und dann sind sie noch enttäuscht wenn ebendiese ihnen trotz des bestimmt ernst gemeinten "ay mami" nur einen bösen Blick und ein kaltes Schweigen zukommen lässt.
Das alles wäre ja noch zu ertragen, wenn die Tortillaboys nicht auch noch seit mindestens 6 Wochen ununterbrochen das gleiche verdammte Lied hören würden, jenen jammerigen Stumpfsinn von dem bei uns im Schlafzimmer nur noch der Bass ankommt, dafür aber regelmäßig von früh bis spät. Und außer Haus hat man immer das Glück von einem der Ghettoboys überholt zu werden, aus dessen offenen (oder kaputten) Fenstern und völlig zerschroteten Lautsprechern dann noch einmal das gleiche Gedöhns zu hören ist. Für eine Kostprobe einfach hier klicken und im player rechts oben den Song que tengo que hacer anwählen.
Damit nicht genug, wenn die Verrückten dann schon mal den Sender wechseln ist dies die scheinbar einzige Alternative: Wer nicht genug bekommen kann einfach nach mariachi suchen auf youtube, viel Spaß.
Und wenn mal einmal einen ganzen Tag hier in der Nachbarschaft verbracht hat und sich dann abends zur Besinnung an den Grill setzen will, kommt tatsächlich noch so ein kleiner Dicker mit Oberlippenbärtchen mit seinem Truck vorbei und bläst die letzten Stücke seines Autoradios zum Fenster hinaus und mir auf den Teller. Da wünscht man dann trotz allen guten Willens manchmal, dass dies alles nur ein Film sei, ein Clint Eastwood Film am besten, und meine 45er auch brav in meinem Schoß liegt, geduldig darauf wartend, dass hombre kurz anhält und Jennifer ein "ay mami" zupfeift. Na komm schon...

Neben der harmlosen Alltäglichkeiten gibts natürlich auch gute Neuigkeiten:
-Zum Beispiel dass ich nächste Woche nahc Harvard gehe um einen der bedeutendsten Politikwissenschaftler der Neuzeit ein paar Fragen zu meiner Magisterarbeit stellen darf.
-Und dass der Boston Globe noch immer nicht tot ist, leider aber jetzt $ 1 pro Ausgabe kostet.
-Und darüber hinaus scheint die Sonne, meistens zumindest.
-Und dass tatsächlich auch "weiße" in East Boston leben (die trifft man beim Mexikaner zum Frühstück)
-Und dass man am Strand in Revere joggen gehen kann, fast ganz alleine am Vormittag!
-Und alle (außer mir wie es scheint) Feiern ganz ausgelassen ihren Schulabschluss zu dem Eltern und Großeltern angereist sind um bei der großen Zeremonie dabei zu sein, ein paar Gläser Schampus zu kippen und ein letztes Mal der Uni Geld in den Rachen werfen, für das Essen hier außerhalb des Festveranstaltung. Der Anblick der festlich gekleideten Abgänger, von denen die meisten wohl 3 Jahre jünger sind als ich hat mich schon etwas gekränkt, genug um vom Campus zu flüchten und mich zu den Enten an den Fluss zu setzen (zum Lesen), den so einen Aufwand wird es wohl für mich in Dresden nicht geben, nicht nur hätte die Uni kein Geld für Festlichkeiten die sich über eine Woche ziehen, es fehlt dort auch zweifellos an jenem Zaubermittel, dass dem ganzen bunten Großkapitalistenspiel in der Zwingburg der Reichenbildung hier tatsächlich eine Seele einhaucht: School Spirit. Ich konnte es nicht über mich bringen Fotos zu machen von den ganzen erwachsenen Kindern und den weißen Stehtischen auf der Wiese (BU Beach) neben dem riesigen Festzelt, aber ich bin mir sicher die Uni stellt welche online, für alle Interessierten. Hier gehts zur website.

Bilder hab ich auch welche gemacht, vom Frühling und so. Für alle die weder lesen könen noch wollen und ohne Bilder auch kein Feedback mehr hinterlassen.


Entenküken im Charles River
Frühling am Charles River (Jogging und Fahradweg)
Frühling in East Boston
Frühling an der BU

Erste vorsichtige "Garten" Bereinigungsversuche. Resultat war eine sehr dankbare Vermieterin, kostenlose Internetnutzung, kostenlose Grill- und Sitzeckennutzung und ein Sack Grillkohle. Hmmm...vielleicht sollte ich mal fragen ob ich auch die Treppe streichen darf und den Baum verschneiden?
Der nun bereinigte Garten und Müllplatz
Grillen als Belohnung mit unserem ersten Hausgast, Diane

So viel Fleisch für mich :)

Friday, April 17, 2009

Mitbewohnerin in Bildern

Frühstückstasse
Make-Up Utensilien (Teil I von 2,457)
Ein bisschen Eitelkeit muss sein
Haarpflege ist wichtig
behutsam navigiert sie den "eisernen Wal" durch das Verkehrschaos
auf dem Weg zur Arbeit
Musikerin beim Proben
ganz konzentriert beim Osterkarten bemalen
Sektfrühstück zu Ostern
Der Ampelmann ist immer dabei
Osterausflug
Meine Mitbewohnerin mag Blumen und fotografiert gern

SPIELPLATZ

Thursday, April 09, 2009

East Boston - Das Neue Viertel

war der geplante Titel dieses Blogeintrages, doch wichtige Ereignisse machen eine kleine Korrektur unumgänglich.

!OPENING DAY!

Fiel Montag erstmal ins Wasser und wurde aufgrund von Bostonartigem Unfrühlingswetter auf Dienstag verschoben. Damit hielt die gesamte Stadt einen weiteren Tag den Atem an bevor dann am Dienstag endlich die Saison eröffnet und damit auch dem Bundestaat Massachusetts der Frühling auferzwungen wurde. Zum ersten mal seit der langen Winterpause verwandelte sich Boston wieder in ein Meer von roten und blauen Trikots, Shirts, Baseball Caps und Socken. Der Unterschied war überall zu spüren, die U-Bahn und Straßenbahn waren belebter als sonst, die Menschen wie elektrisiert und selbst die gar dunklen Wolken waren gar nicht mehr so dunkel. Gespannt und aufgeregt saß ich an der Uni und wartete auf die neue Saison, ohne Camera und Ticket blieb mir auch nichts besseres übrig und ein Blick aus dem Fenster auf die Regenwolken versprach auch nichts Gutes!
Plötzlich kurz vor 4 dann das allen am Flughafen wohnenden Mitbürgern vertrautes Dröhnen am Horizont, doch diesmal senkte sich nicht etwa ein Passagierflieger aufs Hausdach herab, sondern eine Fliegerstaffel Düsenjets dröhnte aus Richtung Fenway Park kommend über die Stadt. Da im Internet nichts über einen Kriegsbeginn gestanden hatte konnte dies nur heißen dass die Baseballsaison nun tatsächlich und ganz wirklich begonnen hatte! In Windeseile klinkte ich mich in meinen Webstream ein und tatsächlich, nebenan wurde Baseball gespielt! Nun einen Kilometer Luftlinie entfernt schien sogar die Sonne, wenn das mal nichts hießt! Ich vermute mal die Bedeutung von Opening Day ließ den Wolken über Boston nichts anderes übrig als vor lauter Ehrfurcht ein wenig Platz zu machen damit die Sonne eine Chance hatte die Red Sox zu Saisonbeginn spielen zu sehen. Und die wird sich gefreut haben, angesichts des schönen Spiels!
Hätte es auch genossen wenn ich nicht seit Anfang der Woche Zahn-Kiefer-Ohren und Kopfschmerzen hätte. Da will mir wohl ein Weißheitszahn den Saisonanfang versauern und mich von arbeiten abhalten...
Etwas angeschlagen ließ ich dann einen Vortrag über Bob Dylan sausen der hier an der Uni gehalten wurde und schleppte mich Richtung U-Bahn um wenigstens noch einen Blick auf das Stadion werfen zu können. Die ersten Zuschauer strömten mir bereits entgegen und eine mir entgegenkommende Frau erzählte gerade vom 5-3 Sieg der Sox und wie sie dem Ehrengast, Sen. Ted Kennedy, die Hand schütteln durfte. Auch nicht schlecht.
Einen Augenblick später war das Speil dann wohl auch offiziell zu Ende und ein zufriedenens Röhren aus den Kehlen der im ausverkauften Park verbliebenen 37,000 Fans (und ein paar zerquetschten) teilte mir mit das Papelbon wohl soeben per Strikeout das den letzten Man der Rays ausgeworfen hatte. (Ein späterer Blick in die Statistik verriet es war ein 96 Meilen Fastball -ha! vgl. 7ter Paragraph).
Sekunden später wälzte sich eine glückliche Menschenmenge in die U-bahnstation, sog mich in sich auf und schwemmte mich in eine der wartenden Bahnen, vorbei and dem laut und vergebens Anweisungen gebenden Personal der MBTA und hinein in den verstopften Zug.
Die Baseball Saison ist eröffnet und die Bahn in den nächsten 5 Monaten zu weiteren 80 Heimspielen 2 mal am Tag verstopft. Hervorragend. Ich kann es kaum erwarten. Der Unterschied zu Deutschland ist hier, dass es keine Schlägereien, Pöbeleien und kaum betrunkene Fans gibt, die meisten sind hier Familien und Studenten sowie Senioren. Die Bahn ist zwar voll aber die Stimmung gut, und das ändert sich auch nach einer Niederlage nur unwesentlich.
Zurück zum Thema
Eigentlicher Sinn des Eintrages was jedoch die neue Nachbarschaft, also wenigstens ein paar Worte dazu. Nachdem ich in den letzten Tagen und am Wochenende ein paar Stunden die Straßen auf und abgewandert bin, habe ich ein paar erste Eindrücke gesammelt und teilweise auf Bildern festgehalten. Es sei dazu nur soviel gesagt:
1) Die Verkehrsanbindung ist Tunnel und Brückenbedingt etwas umständlich und die Maut kostet dank ausgesetzter Erhöhung weiterhin nur $3,50 durch den Tunnel stadteinwärts und über die Brücke $ 3.
2) English ist hier die Sprache der Minderheit und die eingeborenen hier ansässigen Neuengländer haben einen markanten Boston Akzent der für fremde immer ein wenig gemein klingt. Einmal vertraut hat er dann aber seinen Charme.
3) Bars und restaurants gibt es einige, jedoch sind diese weiter verstreut und selterner als in Allston, gut Frühstücken kann man aber auch, wenn man einmal weiß wo man hin muss.
4) Insgesamt ist das Viertel recht klein und überschaubar, größtenteils auch recht schick und familiengerecht mit neu angelegten (fast künstlichen) Parks und zwei Schulen.
5) Die Verkäuferin im Liquor Store ist sehr gesprächig und freundlich
6) Schöne Ecken, gute Aussicht und Dreckflecken in der Landschaft sind eng nebeneinander, neben einer plastisch aussehenden neuen Siedlungsecke verfallen die Häuser und verkommen Bauprojekte zu Schrotthalden
7) Nur 2 Bahnhaltestellen von hier gibt es einen schönen Strand mit direktem Blick auf die Landebahn des Flughafens, Schwimmstrecke zum Runway etwa 400 Meter.

Beim nächsten Mal dan etwas mehr über meine neue Mitbewohnerin.

best,
-k

Blick auf die Stadt von Constitution Beach, Orient Hights
Der Strand mit Blick auf den Flughafen

Parklandschaft mit Blick auf Downtown
Straßenzug East Boston
Spektakuläre Ausichten
und irgendwie auch traurige
Typischer Vorgarten, Marienstatue + Schrott vor Hinterhöfen und Feuerleitern aus schiefen Brownstone-Häusern

Frühlingsbote

Frohe Ostern, alle zusammen!