Monday, November 24, 2008

Barack in Harlem

nicht etwa Shakespeare (wie bei Langston Hughes) oder gar Rap Musik oder Gospel Gesänge. Nein, Barack's Stimme hallt klar und deutlich durch die Straßen Harlems, zum tausendsten Mal stellt er soeben seinen Vize-Präsidenten vor und verspricht den zu Tränen gerührten Hoffnungsträgern die ersehnten Veränderungen. Unermüdlich spielen die CDs der Straßenverkäufer des Viertels und verkündet der Auserkohrene die frohe Botschaft den zelebrierenden Massen .Gleich daneben Anstecker, Bilder, Kalender, Poster, Jacken, Mützen, Caps, T-Shirts. Harlem feiert die Tradition seiner größten Persönlichkeiten, aus dem umjubelten Gespann aus Malcolm X und Martin Luther King ist nun ein Trio geworden. The Land of the Great verkündet ein T-Shirt, darunter die Abbilder der Symbole schwarzen Selbstbewusstseins: Malcom, Martin, Barack. Fast einen Monat nach der Wahl ist die Begeisterung noch immer nicht abgeklungen und man kann es auf der Straße spüren.
Der Beginn der Revolution, der Bürgerrechtsbewegung liegt nun schon fast 90 Jahre zurück, und ist nur viel schwieriger auffindbar. Die Harlem Renaissance ist fast spurlos verschwunden, in einigen Archiven und Bibliotheken, dem Stadtmuseum findet der Suchende vielleicht Informationen. Aber aus den Buchläden der Stadt ist die Renaissance fast verschwunden, leider. Heutzutage ist die Begeisterung größer für Basketballspieler (wie Barack) als für Literaten, die Läden tragen Namen wie "Dr Jay's", Theater sind nach Magic Johnson benannt.
Selbiger war auf Tour sein eigenes Buch zu signieren, hat wohl aber von meinem Kommen nichts gewusst und ließ daher die Chance, mich zu treffen, ungenutzt und verschwand bevor ich den Laden betreten konnte zurüch nach Manhattan um am Madison Square Garden Autogramme zu geben. Schade eigentlich.
Weiterhin Schade war, dass die frühzeitige Dämmerung und die Scheißkälte meinen Erkundungstrip durch Harlem ordentlich abkürzten und die zwei mich begleitenden Damen sowieso lieber in Manhattan unterwegs sein wollten. Manhattan, grelle Kulturhölle der Reichen und >Ärmsten, überteuerter Jazzclubs, Getränkekarten ohne Preisauskünfte (der feine Kunde fragt nicht), Lobster Ravioli für nicht-hungrige (gemessen an Prtionsgröße) und entäuschter Blicke von Kellnern die einem selbst noch den Parmesan auf den Teller streuen wollen, das Publikum ist es wohl nicht anders gewohnt. Massen von Taxis wälzen sich durch deine Straßen, hupen und dröhnen vor sich hin, in Mäntel gekleidete Menschenherden quälen sich durch die windigen Häuserschluchten, geblendet von der Reklame, den Bildschirmen des Konsums, den frierenden Penner unter einem Gerüst in Zeitung und Schlafsäcke gehüllt schlafend, ignorierend. Manhattan, Symbol der Neuen Welt oder für mich -ihres Scheiterns. Von allen die noch nicht das Glück hatten dagewesen zu sein, angehimmelt und in glänzenden Bildern vorgestellt, als etwas großartiges ersponnen, bist du doch nur eine Stadt wie jede andere, nur größer, lauter, teurer, kälter, bunter und schmutziger. Die Stadt ist hart zu den Menschen, nach zwei Tagen ist man müde, die Sinne überreizt, der Geldbeutel leer, die Speicherkarte der Kamera voll mit schlewchten Bildern, verwackelten Nachtaufnahmen, Wolkenkratzern die nur zur Hälfte im Bild sind, Fremden die einem vor die Linse rennen etc. Was bleibt ist die Erfahrung, wiedermal. Und die schon langsam schaal klingenden Ermahnungen an einen selbst. "Beim nächsten mal machst du's anders. Bessere Planung, striktes Sparen."
Zurück geht's ins wohl vertraute, kleine Boston mit seiner Überschaubarkeit, dem kalkulierbaren Leben. Kontrolle, Sicherheit. Wissen woran man ist. All dies Vermisst Karen, die von Boston zurück nach New York zog, ihr fehlt diese Gewissheit nach dem harten Wochenende wieder in die Normalität entlassen werden zu können. Für sie ist das Chaos Alltag und irgendwann gewöhnt man sich wohl auch daran.


Blick aus dem Fenster der Bibliothek über den Charles und die überschaubare Skyline, eigentlich ganz inspirierend, denn man kann sich einreden das ganze zwanghafte Lesen wird irgendwann mal zu einem Job führen, villeicht ja irgendwo da im Hintergrund, nahe der kleinen goldenen Kuppel, dem Statehouse -wo eben die ganzen Geldverdiener sitzen...

Bis dahin sieht mein Büro erstmal so aus...weniger inspirierend.

Wiedersehen mit Jeronimo, Willkommen in Boston, Yoko.

Alltag in der Großstadthölle, die niemals schläft, sie kennt keine Nacht und keinen Feierabend.


Mein bester Freund der Ampelmann, und Kelly in einem kleinen Straßencafe um 22 Uhr. Der tagehelle Hintergrund stammt von den gleißenden Reklamebildschirmen am Times Square.

Blick auf Up- und Midtown Manhatten von New Jersey aus

Empire State und Midtown Manhattan, die Färbung des Bildes spieglt die Kälte am Sonntagmorgen wieder -oder den New York City Blues der mir jedesmal die Stimmung verdirbt.
Bis zum nächsten Mal, New York, ich bin noch nicht fertig mit dir.

Peace
K

Monday, November 17, 2008

Biberjagd in Ipswich (nun ohne ie)

ist eine feine Sache, zumal die Jagd in dem geschützen Areal natürlich auf das erhaschen eines Bildes der vielen nur aus Trickfilmen bekannten Nagetiere beschränkt war. Um diesem Eintrag jede unverdiente Spannung zu nehmen sei gleich hier am Anfang verkündet, dass ich keinen Bieber gesehen habe. Und daher gibts auch keine Bilder von den seltenen Pelzlieferanten.
Trotz allem war der spätherbstliche Ausflug in die kleine Naturschutzanlage eine Stunde nördlich von Bosten die Anfahrt wert und bot Gelegenheit dem Stadtleben zumindest für kurze Zeit den Rücken zu kehren. Der ursprünglich der Begutachtung des berühmten Indian Summer in New England gewidmete Ausflug wurde aufgrund der doch schon fortgeschrittenen Jahreszeit den Erwartungen nicht mehr wirklich gerecht, da eben doch auch hier die meisten Laubbäume bereits kahl sind. Dafür bot die von einer Naturschutzgesellschaft gehütete Anlage die Gelegenheit die Nordamerikanische Natur ein wenig besser kennen zu lernen, verschlungene Pfade führten durch die Wälder und über lange Holzstege und Brücken ging es durch sumpfige Marschlandschaften entlang von Wasserläufen und Seen, dem Heimatgebiet der zumindest an diesem Tag unsichtbaren Biber.
Hauptaugenmerk der Anlage schien die Erhaltung natürlicher Vogelsbestände zu sein, und so kam es, dass wir die meiste Zeit von teilweise an die Besucher gewöhnten Vögeln begleitet wurden, die einem mit etwas Geduld in ihrer Zutraulichkeit doch glatt aus der Hand fraßen. Trotz wolkenüberhangenem Himmel zeigten sich jedoch einige andere Waldbewohner, unter anderem Blue Jays, Chipmunks, die hier deutlich größeren Rehe (Hirsche?) und eine Vielzahl kleiner Vogelarten.
Zu verdanken ist die Planung der "Wanderung" den redaktion des Boston Globe, die ihren Lesern ständig neue Wander-, Ausflugs- und Wochenendtipps mit auf den Weg gibt. Da das Interesse nun einmal geweckt ist, steht weiteren Ausflügen in die "Wildnis" der zahlreichen Schutzgebiete entlang der Küste von Massachusetts eigentlich nichts mehr im Weg, zu entdecken gibts es auf jeden Fall noch viel.
Laubfärbung in Ipswich, MA

Eindeutige Biberspuren
Piepmatzfütterung im Sumpfland
Glücklicherweise hat Jennifer immer Nüsse und Mandeln einstecken
"Aussichtsturm über See mit Vogel auf nackter Hand"Hölzerne Stege fühen vorbei an Biberdämmen und der rauhen, teilweise kahlen Seenlandschaft und den letzten romantischen Farbtupfern des ausklingenden Herbstes

Wednesday, November 12, 2008

Barack

ist nun doch endlich President-elect der Vereinigten Staaten, und insofern er nicht vorher von Anhängern des modernen Ku Klux Klan erschossen wird, könnte sich tatsächlich einiges auf dieser Welt zum besseren wenden. Das diese heimlich Befürchtung nicht völlig abwegig ist untermauert ein heutiger Bericht aus dem Boston Globe (der Einfachheit halber einfach im Text nach Obama suchen).
Die Wahlnacht ist nun eine Woche her, und es ist an der Zeit einmal ein wenig über die Signifikanz des hier als historisch gefeierten Ereignisses nachzudenken.
Nach nun annähernd 8 Jahren unter dem auch hierzulande unbeliebten 2. Bush schien das ganze Land wie befreit gegen 1100 abends am 4. November aufzuatmen, als klar wurde, dass der sich anbahnende Sieg des Demokraten nicht nur unabwendbar ist sondern auch noch in lawinenartigem Ausmaß über das Land rollen würde.
Die meisten Bars in Boston waren fest in Demokratischer Hand, die wenigen Republikaner verhielten sich stumm, wenn sie überhaupt anwesend waren und der Jubel drang ungehemmt durch das nächtliche Boston. Menschen schrien, jubelten, fielen sich in die Arme und weinten, Autos fuhren hupend durch die Innenstadt, fast so als hätten die Red Sox eine weitere World Series gewonnen, oder zumindest als hätte ein Krieg geendet.
Damit entschied sich auch Jennifers und mein symbolischer Handel und sie muss nun nicht wie im Falle eines McCain Triumphes beschlossen, das Land verlassen. Die Ausreise nach Deutschland hat sich damit zumindest einmal verzögert.
Nach einer euphorischen Nacht begann dann der nächste Tag fast wie der vorherige, der Präsident hieß immer noch Bush, die Wirtschaft krankt noch immer und die Knappheit an Gebrauchsgütern hatte selbst schon die Zeitungen erfasst.
Die für meine Abschlussarbeit zwingend erforderlichen Ausgaben des Boston Globe und der New York Times waren in keinem Laden erhältlich. Nicht einmal die kostenlosen Blätter der Metro, Boston Now oder ein Phoenix waren aufzutreiben. Keine Chance.
Nun dämmerte es langsam, der historische Sieg hatte viele zu Hamsterkäufen veranlasst und die Zeitungen waren als Geschichtszeugen und mögliche Geldanlage teilweise massenweise aufgekauft worden. Zwei Tage später dann die Bestätigung, die Menschenmassen vor den Verlagshäuser der Zeitungen hatten die Verleger zu Nachdrucken der Zeitungen animiert und nun gibt es mehrer hundertausende Kopien der Zeitungen. Überall seckt ein Geschäft, denn der mit 75 Cent recht günstige Globe kann nur für $ 4 bestellt werden, plus weitere $ 9 für den Versand. Die NYT kostet da schon etwas mehr und bietet sich für $14 dem Sammler zum Kaufe.
Im Privaten Kleinanzeigenmarkt gibt es da noch ganz andere Angebote, dort versucht man die Historische Ausgabe für bis zu satte $95 an den Mann zu bringen. Auch ein Blick auf Ebay lohnt zum Preisvergleich, da steckt ein Geschäft. Und man hätte sollen...dann könnte man jetzt.

Ohne Printausgabe und unter diesen Umständen werden sich viele wohl mit den zugegeben schönern Bildern im Internet zufrieden geben müssen, hier ein paar Eindrücke.

Dabei fing eigentlich alles ganz geordent an, der Wahltag selbst führte zumindest in Boston weder zum Chaos noch zum Stillstand des Alltagslebens. Die in den Nachrichten viel propagierten langen Warteschlangen an den Wahllokalen blieben meist aus und unter dem Strich war die Wahlbeteiligung kaum höher als in den Vorjahren.
Woran das liegt darüber kann man nur spekulieren, vielleicht verlieren die Menschen hier trotz oder gerade wegen der großen Show um die ganze Wahl an Interesse oder zweifeln den Sinn ihrer Stimme an. Dies ist in verwöhnten Demokratien und westlichen Republiken ja auch eigentlich nichts neues mehr und gerade deswegen auch eigentlich recht schade.
Hätte die Welt eine Stimme gehabt (nicht nur indirekt durch den Mediendruck) so hätte es wohl in vielen Ländern einen größeren Enthusiasmus gegeben und das Ergebnis wäre bei weitem nicht so "knapp" gewesen wie hier prophezeit wurde. Während sich die Bürger der Welt einig waren, wer denn nun der erste "globale Präsident" sein soll, haben die Medien hier den Leuten tatsächlich bis zum letzten Augenblick ein Kopf an Kopf Rennen vorgegaukelt, dessen Darstellung in weiten Teilen mehr an ein Sportereignis (Horse-race, für alle Wissenden) erinnerte, als an die wichtigste und bedeutenste politische Entscheidung des noch so jungen Jahrtausends.
Nun, um mit Cäsars Worten noch einen drauzusetzen, sind die Würfel gefallen. Die Welt hat gesprochen, Amerika hat gehorcht und kann sich nun wieder beglückwünschen alles richtig gemacht zu haben, das leuchtende Vorbild zu sein, das den weniger erhellten Nationen den rechten (wie in richtigen) Weg zeigt. Etc. Der Süden, der Bibelbelt und die wohl über Sezession nachdenkenden Staaten von Jesusland haben an Dominanz verloren und lecken ihre Wunden, verärgert, dass sie nun von einem schwarzen Neger, der auch noch Kommunist oder gar Sozialist ist, oder was noch schlimmer ist, wahrscheinlich Muslim oder gar Islamist (und obendrein noch elitär und korrupt und) regiert werden. Die Widerstandgruppen "Impeach Barack" schießen auf Sozialen Netzwerkseiten wie Pilze aus dem Boden. Der Iranische Präsident hat seine Glückwünsche geschickt, der Anfang vom Ende. Anarchie droht.

Aber zurück zur Wahl selbst.
Um Gewinne und Stimmen zu Maximieren haben hierzulande zehntausende von freiwilligen die lezten Monate am Telefon verbracht (Phone Banking) um potentielle Wähler per Anruf und Gespräch zur Wahl zu bewegen, Unentschlossene zu überzeugen, Faule zu drängeln. Milliarden wurden ausgegeben und Millionen vertelefoniert, Benzin verfahren um Wähler in kritischen Swing States mit antizipiert knappen Wahlausgang per Haustürbesuchen und persönlichen Vorsprechen zu Wahl zu animieren. Diese Art der Beschäftigung wird meist von Schülern, Sudenten teilweise mit professioneller unterstützung der Wahlkampagnen durchgeführt, die Arbeit ist Zeit- und Nervenaufreibend wurde aber von vielen schon durchgeführt. Beginnend um 6 Uhr in der früh machen sie sich auf den Weg um Stimmen zu gewinnen, Telefoniert wird oft mit dem eigenen Telefon, gefahren mit dem eigenen Auto. So ein Enthusiasmus und am Ende wählen dann nicht mal 2/3 aller Berechtigten, schon Schade. Aber man ist sich einig, dass es ohne diese Art von Initiative, ohne Postwurfsendung, Wahlwerbespots, Interviews, Kampagnenauftritte, und persönliche Apelle, Fernsehdebatten, Wahlsondersendungen, Dokumentationen, Reden und Rockshows mit Feuerwerk, Spendengesuche per Email, Flugzeuge und Busse und Expräsidenten und Musikstars und Schauspieler und Michael Moore's pünktlich erscheinede neue Dokumentation und Wahlbegleitbücher und Hotlines zur Wahlregistrierung, Infoservice und Wahllokalfinder im Internet und Wahllokalreporter die den Stand vor Ort schildern, Warteschlangen/-dauer Messungen, vereinzelte Kuchenbasare und Hotdogverkäufe in Wahllokalen (fürs das leibliche Wohl sorgt man in Amerika immer!), Stuhlausleihe für in-der-Reihe-Wartende, rentnerherankutschierende Busse und Heldengeschichten von 96 Jährigen, die zum ersten Mal in 20 Jahren wieder an der Wahl teilnehmen und Präsidentschaftsanwärter die life und in Farbe bereits 6 Uhr morgen für sich selbst stimmen und der obligatorische blau-weiß-rote Aufkleber für alle stolzen, erleichterten, betenden, hoffenden WÄHLER, die allen noch-NICHTWÄHLER verkünden I VOTED TODAY um villeicht noch jemanden zum Urnengang bewegen zu können -ohne all das, wäre der ganze Zirkus wohl noch viel mehr Amerikanern am Arsch vorbei gegangen.
Und das, ist die größte Schande. Das Privileg an einer Wahl teilnehmen zu dürfen, ist der Mehrheit doch wohl schon lange den Gang zum Wahllokal nicht mehr wert. Aber dahin kommen wir in Europabestimmt auch bald, macht euch auf was gefasst.

Peace
k


Die hoffnungsvolle Wählerin am Tag der Entscheidung
Allston für Barack
Nach der Urteilsverkündung in einer Bar in Downtown Boston
Here's to Change

Sunday, November 02, 2008

Salut an die Britischen Truppen

Es gibt keine Engländer mehr in den Britischen Truppen.
Getroffen habe ich allein in der Küche Vertreter der folgenden Länder:
Schottland
Irland
England
Ghana
Swasiland
Karibische Inseln
Russland
Von allen mit denen ich mich unterhalten habe waren genau
0dabei die dem Irak Frienden und Freiheit bringen wollten.
Die Gründe zur Army zu gehen waren unterschiedlich, mit Demokratie hatten sie aber nichts zu tun.
Die meisten wollten einfach nur Geld verdienen, und zwar viel.
Oder hatten einen Fehler gemacht, sich für zu lang verpflichten lassen, auf dem Weg zum College hängen geblieben etc.
Gemeinsam hatten sie eines: Keiner hatte Lust in den Irak zu gehen, und jeder freute sich darauf nach hause zu kommen. Auch Soldaten haben Freundinnen die weit entfernt wohnen und warten, oder Ehefrauen, sogar Kinder. Einer der Schotten hatte sich ein Haus gekauft, in Bosnien und wird dann dort in einem malerischen Tal mit seiner Frau irgendwann Kaffee und Kuchen verkaufen. Stolz zeigt er uns die Bilder seines neuen Hauses, ich Frage ihn wann es denn soweit ist, wann er sich zur Ruhe setzt. Die Antwort: "In 13 Jahren." Viel Glück dabei.
Ob man solange lebt weiß keiner, mit etwas Sarkasmus und ohne Details preiszugeben zeigt uns der Küchenchef Bilder von Drogenküchen und Mohnfeldern in Afghanistan, dort ist Drogenhandel inzwischen der größte und wichtigste Wirtschaftszweig. Hauptexportgüter sind Heroin und Opium. Danach Bilder aus dem Irak, beschlagnahmte Waffen, zerfetzte Selbstmordattenäter und Zerbomte Küchenzelte mit Schrapnellöchern etc. Dave selbst wurde bereits von Scharfschützen angeschossen und ist auch mehrmals "in die Luft geflogen". Überlebt hat er bisher vieles, einige seiner Freunde auf den Gruppenbildern hatten weniger Glück.
Der Krieg ist schon ein Scheißgeschäft, er bringt aber eben Geld, "hilft die Rechnungen zu bezahlen." Angeblich hat das Soldatensein auch seine Sonnenseiten, wie zollfrei einkaufen und kostenlose Ausbildungen, Reiseerfahrungen und zahlreiche Bekanntschaften und Geschichten die sich gut in Bars erzählen lassen wenn man etwas Aufmerksamkeit möchte. Trotzdem sind viele nicht glücklich und das meistbenutzte Wort bei der Beschreibung der Army ist nach meinen (subjektiven) Beobachtungen immer noch SHIT.
"The Army is SHIT man" sagen vor allem die Jüngeren und hoffen bald wieder nach hause zu dürfen. Immerhin haben Sie den Krieg nciht angefangen, sondern die Amerikaner. Zumindest unser Küchenchef ist überzeugt das der ganze War on Terror nur künstlich erzeugt wurde, die Anschläge des 11. September selbst insziniert waren, und sowieso den Amerikanern nicht zu trauen ist. Sie waren auch niemals auf dem Mond, und würden immer noch auf der Lüge beharren etc.
Daves Ärger kann man fast nachvollziehen, sind doch die britischen Truppen auch noch häufiges Opfer fehlgeleiteten Amerikanschen Feuers.
Erstaunlich ist auch, wie wenig man der grauen Realität des Soldatenlebens im Camp entkommen kann, die Zeitung ist ein Amerikanisches Militärblatt, im TV läuft der Truppensender und selbst im Radio dudelt "The Eagle" ein amerikanischer Militärsender. Nicht einmal die Medien bieten also Abwechslung vom Army Alltag, und nach bis zu 15h Küchendienst muss man auch aus diesem Grund fast den Hut ziehen vor den Köchen der Briten. immerhin haben Sie es geschafft trotz allem ein genießbares Essen auf den Tisch zu stellen und zumindest an der Oberfläche ihren Humor nicht verloren. Und selbst wenn The Eagle den gleichen Song zum 3. mal spielt, pfeift Dave noch munter mit:
"I kissed a Frau and I liked it" ist seine Version einer zu oft gespielten Pop Schnulze.


Nacht im Camp
Eine Küche zur Nachschicht
Hubschraubermanöver
Küchenuniform

Lagerkoller in Bayern

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Hier sitz ich nun im Army Camp Hohenfels und beobachte mich und meine Umwelt dabei wie sie den Verstand verlieren. Es ist dunkel in meinem Zimmer, der schwere, erkaltende Rauch meiner Mitbewohner hängt in der nur von Bauzäunen und Makeshift-Pappwänden durchtrennten Luft. Ich sitze in einer Ecke auf einem Dopppelstockbett, mein Boss, der „Don“ schaut wie jeden abend einen Film zum einschlafen auf seinem Laptop, und schafft es nie bis zum Ende. Ich weiß nicht den wievielten Versuch er jetzt startet, aber wie jeden abend leuchtet sein Bildschirm grell in sein schläfriges Gesicht, das mich fast ein wenig an Devlin erinnert. Der zweite Mann, ein quirlig drahtiger Sachse mit Bierbauchansatz ist zur Nachschicht, Kartoffeln schälen und aufwaschen die ganze Nacht bis 6 Uhr früh im kalten West-camp weit draußen in der wildnis und fern ab den Baracken. Die Nachtschicht kümmert ihn nicht, das Army-camp ist kein Problem da er als Bühnenbauer daran gewöhnt ist wochenlang von zu hause, Frau und Kindern weg zu sein. 18h arbeit am tag sind auch normal. Mein dritter Mitbewohner, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat legt sich gerade zur Ruhe und wird wahrscheinlich im finsteren seine Kleidung wieder streng und ordentlich auf seinem Stuhl zusammenfalten, auf dem sie dann darauf wartet in 6 Stunden wieder entfaltet und zur Frühschicht angezogen zu werden. Er ist Tankerfahrer und fest angestellt, einer von wenigen nicht Selbstständigen hier, und nur einer unter vielen Freaks. Wie „Don“ ist auch er über 30, verheiratet, hat Kinder. Im Dunkeln sehe ich seine Zigarette glimmen und der Rauch beißt meine Augen, und das obwohl die Fenster offen sind. Die Heizung ist es auch, die Army wird’s schon zahlen.
Nur etwa 5cm neben, nur durch eine Pappwand am Bauzaun und etwas schwarzen Stoff von mir getrennt, schnarcht ein wahrscheinlich fetter und hässlicher Nazi. Oder irgendein anderer Idiot. Ich habe ihn noch nie gesehen, sein grunzen und schnorcheln raubt mir aber jede Nacht die Ruhe und deshalb hasse ich ihn, auch wenn ich ihn tagsüber reden höre kommt keine Sympatie auf. Wenn man genau hinhört kann man verschiedene Leute an ihrem schnarchen wieder erkennen, jeder röchelt auf eine andere weise vor sich hin, gurgelt oder schnieft durch die rauchgeschwängerte Nacht in Baracke 1115 im Army camp, Hohenfels. Man hört hier jeden atmen, reden, oder eben schnarchen. Dazwischen dann Handys und Wecker, gearbeitet wird immerhin in 3 schichten rund um die Uhr.
Offiziell ist dies hier amerikanischer Boden, seit dem 2. Weltkrieg. Davor war es ein Trainingsgelände für Hitlers Militärmaschine. Nun fahren hier die Briten, Australier und Amerikaner, manchmal auch Afghanen oder wer auch immer hier ein Training gemietet hat in ihren Jeeps und Panzern auf und ab.. Unsere britischen Freunde tragen bereits ihre neuen Wüstenuniformen, denn ihr nächster Stopp ist der Irak. Schon komisch, man arbeitet da in der Küche, als Tellerwäscher (wiedermal, so war das nicht gedacht, eigentlich sollte es doch aufwärts gehen!) und schaut jeden abend in die sich hungrig an der Essenausgabe aufreihenden Soldatengesichter. Und irgendwie sieht man eine Mischung aus Volksstrum und Boy-Scout camp. Die ersten in der Reihe können nicht älter als 18 sein, kaum aus der Schule geht’s ab in die Wüste. Erstaunlich sind auch die zahlreichen Frauen, jung und meist nicht einmal besonders schön. Einige Veteranen sind auch dabei, und ein paar Schwarze. Die Leute in der Küche sind genauso bunt zusammengewürfelt, unsere Köche sind 2 Veteranen mit Wanne, denn beim ständigen kosten muss ja mal was hängen bleiben, dazu zwei sanftmütig-kräftig aussehende Schwarze, ein kleiner weißer mit Brille der einen irendwie an einen Bieber erinnert und einen etwas schwammig geratenen College boy, den ich in Gedanken Babyface getauft habe. Sie alle kochen, backen, braten und verschmutzen die Küche in Baracke 1166 nach Leibeskräften, jeden tag. Das essen ist jedoch erstaunlich gut, immer gibt es frisches Gemüse, Kartoffeln werden von der Nachtschicht immer geschält, Fleisch direkt vom Knochen gelöst, und der Rest irgendwie aus Instant Gewürzen und Pulvern zusammengerührt und gekocht. Mensa Qualität hat das hier allemal und die Auswahl ist auch größer.
Eine Mensa haben die meisten der hier angesellten KPs (Kitchen Personnel) jedoch noch nicht gesehen. Ein Student ist eine Abnormalität, oder einfach was Komsches, den ein so komplizieres Wort wie Abnormalität darf man hier nicht benutzen. Neben den ausgebildeten Köchen die teilweise nur als Servicekräfte hier arbeiten ist der Rest der Freiberufler hier in etwa das was anderswo als Abschaum verschmäht hat. Magdeburg scheint dabei ein Sammelbecken für Asoziale zu sein, den von dort fließt ein ständiger Strom Ausschuss gen Süden um dann hier im Camp hängen zu bleiben, fernab der Zivilisation. Man fragt sich immer wo all diese Freaks, die Verrückten, Kaputten, und in der Gesellschaft gescheiterten so ihr Geld verdienen, wo sie hausen und wie sie aussehen…nun hier in Hohenfels ist eine beachtenswerte Anzahl Degenerierter hängen geblieben, das steht fest. Heinz Dummbolzen, der Schläger aus der 2. Klasse der damals schon sitzen blieb arbeitet bestimmt auch hier.
Einer der Gehirnakrobaten hat es letztens geschafft sich vor seiner schicht so lange mit Vodka zuzuschütten dass er pünktlich zu Arbeitsbeginn in seine Baracke gekotzt hat. Daraufhin sollte er nach hause geschickt werden, durfte aber dann bleiben, da die arbeitsfähigen Leute eben doch knapp sind und nicht jeder hier Doppelschichten schieben möchte.
Die meisten begrüßen Doppelschichten, denn ausser arbeit, schnarchen, rauchen und saufen gibt es hier nicht viel zu tun. In unserer Papphütte ist man zwar etwas kultivierter, da wird der Schnaps noch selbst angesetzt, öfters am Nachmittag mal zu Kaffee und Kuchen geladen oder sogar mal ein Trip in ein Restaurant organisiert. Ansonsten passiert aber nicht viel; computerspielen, schlafen, Wäsche waschen lassen, Essen aus der Küche mitgehen lassen, auch Messer, Schäler etc. Alles was nicht niet und nagelfest ist findet seinen weg in diese Baracken. Was soll man auch sonst tun, zu den Soldaten gibt es keinen Kontakt, die leben zwar direkt nebenan in den gleichen Bararcken, haben aber ganz andere sorgen. Wie ihre drills und sinnlosen angriffe. Mehrmals am tag heult und dröhnt es, booom, boooom weeeeeeehhhhhoooooo boooooom weeeeeeeehhhhhhooooooo INCOMING INCOMING INCOMING booooom wehhoooo und alle diensthabenden Heimatverteidiger schmeißen sich auf den Boden oder kriechen in Deckung, da kann das essen auf dem Teller auch mal kalt werden oder die Suppe anbrennen, wenn der Feind (in diesem fall ein angestellter, der von einem Hummer aus falsche Granaten zwischen die Baracken feuert) kommt, ist alles stehen und liegen zu lassen. 10 Minuten später ist das essen kalt oder angebrannt, die unter Beschuss gekommenen hören die entwarnende sirene und ein blechernes weeeeehhhoooo ALL CLEAR; ALL CLEAR! Weehoooo und kommen aus der versenkung hervor. Dazwischen rüttelt immer wieder mal ein Helikopter oder ein Tieffliegender Jet das Lager wach, in den oktoberbunten Wäldern bellen Maschienengewehre mit gelben Platzpartonenmagazinen dem schwindenen Sommer oder vielleicht auch dem erdachten Feind hinterher, manchmal sogar den extra angestellten falschen turbantragenden Terroristen.
So kommen und gehen die tage, der Stumpfsinn kriecht durch die Baracken und nach bereits fünf tagen kann man sich nicht mehr vorstellen, das irgendwo da hinter dem Wald, nur wenige Kilometer vor den Toren des 40 mal 60 km großen „Naturschutzparkes“ tatsächlich noch ganz normale Menschen, bunt gekleidet zur arbeit gehen. Die Normalität ist ein langsam verblassender Traum du das nach nur einer Woche im Lager, das bei Nebel oder auch bei Nacht ein wenig an Buchenwald zu erinnern versucht. Dazu trägt vor allem der nach innen überhängende und mit Stacheldraht versehene Zaun um die Gelände bei, auch die Baracken und die spärliche Nachtbeleuchung wirken da mit. Und letztendlich versammelt sich auch hier alles was die moderne Gesellschaft eigentlich nicht sehen oder wahrhaben möchte. Fast wie damals. Die Verlierer, die kaputten, hart arbeitenden, primitiven und dennoch wieder normalen. Für die meisten ist dies ein Lebensunterhalt, Soldat oder KP, alle sind Freaks und doch auch nur des Geldes wegen und nicht wirklich gegen ihren willen. Kinder und Frauen wollen ernährt werden und vermissen ihre Väter, manchmal auch Mütter und Ehegatten, doch ihnen allen wird allabendlich im schein der kerosinbetriebenen Lampen am Telefon in allen Sprachen der Welt versichert: Bald bin ich wieder zuhause. Keine Sorge, alles wird gut. Ich liebe dich auch.
Für die einen endet der Zirkus vielleicht nach 3 Wochen, die andern gehen in die nächste runde, ob hier oder in einem anderen camp, ob Grafenwöhrl, Hohenfels, Bagdad oder Afghanistan spielt keine Rolle. Wahrscheinlich sind die Soldaten besser dran, denn sie gehen weiter und bleiben nicht hier stecken, andere arbeiten hier seit Jahren, leben in diesen Baracken fast das ganze Jahr.
Soldat oder KP, das spiel ist immer das gleiche und die Monotonie des Unterfangens wird nur durch die Sinnlosigkeit übertroffen. Steuerzahler aller Länder, vereinigt euch und schaut was aus euren Abgaben wird. Sie brennen tagtäglich zur Stromerzeugung und fließen als Wasser durch die Abflüsse der Großküchen, gehen ungegessen, verbrannt, verkocht oder einfach unerwünscht meist oft direkt in den Container. Oder sie verpuffen im Feuerwerk der Boyscouts. Werden durch Auspüffe geblasen oder vom Jetstream durch die Luft gewirbelt. Vielleicht steckt sie auch so ein Dummblzen aus Magdeburg ein und kauft sich einen Kasten Bier davon. Einen sinn kann das nicht haben.
Peace
-k

Tuesday, March 25, 2008

Unwichtiges


passiert von nun an wieder jeden Tag, der Traum ist schon wieder ausgeträumt und die Kälte hat mich wieder in ihrem Griff, und das auch sprichwörtlich. Nach den warmen Tagen in LA und San Francisco war bereits das kalte Boston ein Schock, dort waren jedoch wenigstens die Leute noch nett. Nun breitet sich die kälte auch zwischenmenschlich wieder aus, der rauhe Osten schlug wieder zu.
Noch nicht richtig gelandet kotzen mich der Service der Bahn und die Servicewüste des Neustädter Bahnhofs stellvertretend für alle anderen Vollpfosten schon wieder so an das alle warmen Frühlingsgefühle ach schon wieder erfroren sind. Ja klar sind die Menschen in Deutschland nicht so oberflächlich und geben sich keine Mühe nett zu sein wenn sie nicht wollen, aber verflucht noch mal könnt ihr mir nihct wenigstens ein wenig Freundlichkeit vorheucheln? Nur ein wenig damit der Übergang nicht so schwer wird? Ich nehms euch sowieso nicht ab, keine Sorge, aber so etwas gespielte Höflichkeit und ein falsches Lächeln könnten die Sache doch so viel einfacher machen! Heißt das ich muss mir von jetzt an auch wieder keine Mühe geben und kann jedem den ich nicht mag das auch ganz ehrlich sagen? Alles klar, kann los gehen.
Außerdem, weils so schön hierein passt:

-Boston University hat ihre studiengebüren um 4,5% erhöht und verlang damit effektiv über $ 50,000 pro Kopf pro Jahr. Ohne mich, soviel ist eure Ausbildng nicht wert, da geh ich lieber an ne bessere Schule, mit schöneren Gebäuden, höherer Lehrqualität etc. Harvard is dagegen ein Schnäppchen! Und was bringt eigentlich die Viertelmillionen Ausbildung den auf ewig verschuldeten? Ich kenne genug die mit ihrem BU Bachelor gerademal kellnern oder Donuts kaufen für Leute in den richtigen Positionen. Die Nichtverschuldeten (Kinder aus reichem Elternhaus) machen sich sowieso keine sorgen, Papi lässt euch schon in der Firma arbeiten...

-Es schneit wiedermal und trotzdem war ich nun effektiv den 2. Winter in Folge nicht mehr Skifahren, hätte nie geglaubt das es einmal soweit kommt, eine Schande is das.

- Ich habe keine Lust in Dresden zu studieren, obwohl hier alles umsonst ist. Genausoviel wert ist es auch, bzw Spaß macht es.

Einziger Lichtstreif am Horizont: Bald bin ich fertig, mein letztes Semester bricht demnächst an; ausserdem beginnen die NBA Playoffs in Kürze, die Red Sox haben den Saisonbeginn nach 10 Innings und mit einem schwachen Dice-K in Tokio gewonnen (sind damit nur noch 161 Spiele vom Playoff-Beginn entfernt) und Obama's Rede zur Rassenproblematik heute ist zumindest von Boston Globe und dem Wall Street Journal positiv aufgenommen worden.
Ausserdem bringt mich Jennifers deutsch zum Lachen, ihre Wörter des Monats sind Erdbeben, Kaffeebohne, Pferdestall, Erdbeere. Diese und weitere in allen denkbaren Kombinationen, teilweise auch gesungen.

Lesetipps: failed states von Chomsky, grapes of wrath (früchte des zorns) von steinbeck, big sur von kerouac, howl von ginsberg. und den globe, jeden tag -schön wärs!

Tuesday, March 18, 2008

Zu Besuch bei Sami Sunchild

Nun sitz ich hier, diesmal nicht im Badezimmer sondern wiedermal in der Student Union am Charles River in Boston. Das Wetter ist erwartungsgemäß kalt, trocken und windig. Die Spuren der so sehnsüchtig aufgesaugten Westenküstensonne verschwinden in Form von trockener Haut von meiner Nase und da Jennifer an der Uni ist und der Globe gelesen, bleibt Zeit ein wenig zu reflektieren.
Nachdem wir unsere Fahrt entlang der Pazifikküste dunkelheitsbedingt haben etwas abkürzen müssen, fanden wir uns alsbald im bunten Hippiebezirk Haight Ashbury wieder und checkten ins Red Victorian ein. Das "Hotel" wurde 1904 erbaut und fiel über Umwege in die Hände des nun alternden Blumenkindes Sami Sunchild, die es, wie mein Reiseführer mir schon vor 10 jahren erzählte, "liebevoll restauriert hat." Jedes Zimmer hat sein eigenses Motto, das Haus ist Ort der Begegnung, des Friedens und voll positiver Energie. Die meiner Schätzung nach um die 70 Jährige Besitzerin hat jedes Zimmer selbst entworfen und mit eigenen Bildern und Kunstwerken verziert. Zu den Hightlights gehören ein Badezimmer im Stil eines Aquariums mit Goldfischtank als Klospülwasserbecken sowie ein durchaus inspirierender mit Lichtern und spiegeln verziertes Badezimmer das den Namen "infinity" trägt. Selbiges diente unter anderem als Arbeitszimmer für einen der vorhergehenden Einträge (siehe unten).
Nun hatten sich Jennifers Eltern entschlossen uns noch einmal zu besuchen und kamen demnach mit dem Auto noch einmal von Carson, Nevada bis an die Küste um den Tag mit uns zu verbringen. Nach einem Mittagessen in der meiner Meinung nach teuren Sauerteigbäckerei am Pier 39 im Hafen der Stadt (hatte Sandwich mit Krabbenkuchen), tummelte wir uns mit den anderen Touristen in der windig-kühlen Fisherman's Wharf, in Chinatown und den Hügeln der Stadt. Mit einem alten Cable Car sind wir auch gefahren, das kostete ganze $ 5 pro Person für die Einzelfahrt, eine Frechheit in meinen Augen. Höhepunkt für mich war der Besuch des City Light Bookstores, jenem verwinkelten, alternativen Buchladens in dem schon die Beatnikgrößen Kerouac, Ginsberg und Freunde Inspiration fanden. Einmal da und angesteckt vond er guten Atmosphäre hat sich Jennifer immmerhin einen Kurt Vonnegut (Breakfast of Champions) und ich einen Chomsky (Failed States) und Ginsberg's "Howl" geleistet. Letzteres, für alle Neulinge, ist das Kultgedicht der Beatnikbewegung und neben Kearouacs "On the Road" wohl eines der bekanntesten Werke dieser Zeit. Das schönste daran ist, dass ich endlich mal wieder Bücher kaufen und lesen kann, die ich tatsächlich auch lesen will und die trotzdem für mein Studium nützlich sind. Und das alles auf einen Schlag, gepart mit einer Anekdote wo ich die Dinger gekauft hab müsste schon für die Eins in der Prüfung Amerikanistik reichen. Obendrauf noch die Bilder aus dem Hippie District und aus dem Japanischen Gefangenenlager und den Kulturwissenschaftlern dürfte die Sprache wegbleiben. Ha, normalerweise macht man solche Bildungsreisen mit staatlicher Unterstützung während der Schulzeit und nicht auf eigene (Barclaycards) Kosten in den Ferien!
Der Tag lies uns relativ erschöpft im quirligen Haight Ashbury zurück, Jennifers Eltern reisten ab und wir versuchten mit Hilfe einer Jazzband in einer der kleinen Kneipen gegen die Müdigkeit zu kämpfen. Der Sonntag brachte dann die im Namen bereits versprochene Sonne, in der die Golden Gate Brücke in einem recht angenehmen Licht erstrahlte und den Bei Sami gewonnenen Eindrücken und Träumen von einer besseren, friedlicheren Welt Nachdruck verleihen zu schien. Später dann gings auf dem Weg zurück zm Flughafen noch an zwei kleinen, von Wellen und Wind gepeitschten Stränden am Highway 1 vorbei, um in der im Pazifik untergehenden Sonne ein rennen um den Erdball aufzuschwatzen -bis zum Atlantik. Wie sich herausstellte haben wir das dann auch, wenn auch denkbar knapp gewonnen und kamen etwas eher an als sie. Jetblue 1 : Sonne 0. Die alte Stammtischweisheit "hintenrum is kürzer" scheint sich zumindest hier nicht bewahrheitet zu haben.

am Highway 1

Abendstimmung am Big Sur

Blumenkind

Brücke für Touristenfotos

Tschüß, Sonne, bis zum nächsten mal
...

Monday, March 17, 2008

Sommer, Lakeshow, Wueste, Kueste


bill's pony

emerald bay, lake tahoe

wueste

friedhof des jap. internment camps

red rock canyon

warm ist es meistens in suedkalifornien. Daher hab ich mich auch gefreut endlich nach Sueden aufzubrechen und ein Sonnenstrahlen abzubekommen.
Bereits die Fahrt von Carson Valley nach LA, von der Hochwueste durch die Sierras bis letzendlich durch die Mohavie Wueste nach LA war angenehm warm und meist schneefrei. Selbiger zwang uns zwar den geplanten Abstecher in die Geisterstadt Bodie und das Ufer des Lake Mono ausfallen zu lassen, jedoch wurde dies durch erkundungstouren im ehemaligen (und nun fast voellig verschwundenen) Japanischen Internment Camp mitten in der trockenen Einoede der Wueste sowie einer kleinen Tour durch den landschaftlich erstaunlichen Red Rock Canyon wettgemacht. Alles in allem dauerte die fahrt mit Zwischenstops zum aussammeln von Lsavagestein, einem verblichenen Schlangenskelett sowie weiterer Schaetze der Wueste zwar knapp 11 Stunden, war aber dafuer kein bissschen langweilig.
In LA haben wir bei meiner ehemaligen Mitbewohnerin Carolyn gewohnt, deren jetzige Mitbewohnerin uns gleich noch eine kostenlose Tour durch die Paramount Studios gegeben hat.
Das Studiogelaende beinhaltte unter anderem die Buerogebaeude des unabhaeningen Paranmount Vintage Studios, welches mit No Country for Old Men und There Will Be Blood bereits zahlreiche Oscars einkassiert hat. Ausserdem gibt es im Studiogelaende eine Miniaturvariante Newq Yorks und Chicagos, in deren Strassen und Parks unter anderem Fruehstueck bei Tiffany's und Cloverfield gedreht wurden. Carloyn's Mitbewohnerin Rachel arbeitet in einem der vielen grossen Drehhallen, in denen zum Beispiel Dr. Phil (ja, ich weiss, dass die Show Bloedsinn ist) produziert wird.
Am abend dann lud Kobe zur Lakeshow im hell erleuchteten Staples Center ein, und verleitete uns mit einer Serie von Dreiern zu Beginn des ersten Viertels bereis dazu ueber einen neuerlichen Punkterekord gegen die tapferen, jedoch ueberforderten Raptors zu spekulieren. Letzendlich beschraenkte er sich dann auf 34 Pkte, 7 Reb, 7 Ast und 4 Stl, einer fuer den Neuling fast unscheinbar wirkenden Punkteausbeute, die jedoch voellig ausreichte um mich fuer die Dauer von 3 Stunden absolut gluecklich zu machen und mit dem Gewissen nach hause zu gehen zu lassen, den unausweichlichen MVP der Saison 2007/08 in seiner zumindest auf dem Papier besten Saison spielen gesehen zu haben. Dass der seit Jahren beste Spieler auf dem Planeten bereits zweimal um diese Ehrung betrogen wurde steht ausser Frage und wird unter Fans und Experten noch in 10 Jahren fuer Diskussionen sorgen.
Wie dem auch sei, die Bilder sind gemacht, die Statistiken debattiert, das Spiel erlebt und beendet. Am tag eins nach der Kobeshow waren wir dann mit Carolyn in Malibu (ja genau, dort had der David Hasselhoff schon die Touristen gerettet) und spaeter zum Sonnenuntergang am Santa Monica Pier.
Tag zwei nach der Kobeshow fuhren verbrachten wir am malerischen Strand von La Jolla in San Diego, in dem es tatsaechlich schon Fruehsommer zu sein scheint. Der kuehle Wind und die kraeftige Sonne hinterliesen dann auch Spuren bei Carolyn und Jennifer, und das Essen in einem uns empfohlenen, angeblich guenstigen Fischrestaurant im Hafen San Diegos ein klaffendes Loch in meiner Geldboerse. Der geuebte Leser bemerkt an dieser Stelle die Ironie der Aussage und sollte sich fragen: war das jemals anders?).
Tag drei nach der Kobeshow fuehrte dann entlang der der vielbeschrieben, -besungen und -umdichteten Traumstrasse Kaliforniens von LA ueber Santa Barbara, vorbei am Protzpalast des ehemaligen Zeitungsmoguls William Rabdolph Hearst, durch die Gruenen Huegel entlang der alten spanischen Missionskirchen, durch das frueher von Clint Eastwood gebuergermeisterte Carmel, um die verschlungenen Serpentinen der Steilkueste am Big Sur (von Jack Kerouac im gleichnamigen Buch beschrieben) bis nach San Francisco. Die Daemmerung ereilte uns bereits kurz vor Monterey, dem aus vielen Steinbeckbuechern bekannten Fischeroertchen, und machte damit leider weitere grossartige Fotoerlebnisse zunichte. Damit blieb das letzte Kuestenstueck zumindest diesmal noch unbesichtigt und der etwas kuerzere und deutlich schnellere Highway 101 brachte uns dann in unser Quartier fuers Wochenende. Die Kilometeranzeige stand nun bereits wieder bei ueber 1,200 Meilen.

paramount studios, hollywood

LAKERS!!!

Kobeshow

Malibu mit Pelikanen

La Jolla, bei San Diego

Saturday, March 15, 2008

Nevada I (unvollständig, vom Klo) Bilder folgen

Bin in letzer Zeit leider nicht dazu gekommen viel neues zu schreiben da sich tausend dinge ergaben die mich vom schreiben abhielten. Dieser Post wird teilweise von einem Badezimmer in San Franciscos Hippie district geschrieben, und spiegelt sich während ihc hier sitze und tippe tausendfach in den Spiegeln des "Strarlight Rooms" wieder. Doch dazu in einem späteren Post mehr. nevada war großartigt. Jennifer hatte eine Erkältung von Boston mitgenommen und leider hab ich mich damit etwas angesteckt. Weitere alternativen wären die Höhenkrankheit, denn den meisten bekommt der plötzliche Wechsel vom Meeresspiegel auf etwa 6,000 bis 8,000 Fuß niocht wirklich. Das Klima in Nevada ist trocken und continental, wird also schnell heiß und genauso schnell kalt. Unser Hotel und Casino liegt irgendwo im Carson Valley, einer steinigen und früher fast menschenleeren trockenen Einöde mit Straßen auf denen man stundenlang gerade aus fährt und trotzdem nicht wirklich irgendwo ankommt. Aber was solls, der Weg ist das Ziel. Unser Zimmer liegt im Zweiten Stockwerk und man kann über den Parkplatz auf die Schneebedeckten berge der Sierra Nevada schauen, die in einiger entfernung in der kristallklaren Bergluft gut zu erkennnen sind.
Unterkunft ist großartig und völlig über meinem Niveau, ich fühle mich schlecht in einem Hotel zu übernachtend ass ich mir nie leisten könnte, aber angeblich haben Jennifers Eltern Bonuspunkte im Casino und konnten das Zimmer günstig haben. Nun gut, was solls. Der pool hat die Form des Staates Nevada und man schwimmt mit 2 tiefen Zügen von Vegas nach Reno. Danach zum ausruhen in einen der beiden achteckigen Whirlpools...hmmm. Fehlt nur noch ein drink, den könnte man problemlos per Zimmerservice kommen lassen, aber es muss ja nicht sein.
Die trockene luft und meine ob der Sonnenbestrahlung wenig wärmende Bekleidung haben ihre Spuren hinterlassen und meine Erkältung führt zum fast völligen Stimmverlust. Mit etwas Advil und einigen ein paar Bier kommt man jedoch darüber hinweg.
Jennifer's Vater arbeitet als Musiklehrer in einer High School, ihre Mutter unterrichtet Schwererziehbare. Die Familie ist nicht nur nett sondern auch ungemein komisch, mein Vokabular vergrößert sich und Wörter wie Shitbird sind von nun an im täglichen Umgang wichtig.
Zu den ersten highlights des Tages (Freitag) gehört ein Besuch der alten Silber-rausch stadt virginia City, die zwar dank der Tourismusindustrie einiges ancharme verloren hat, jedoch nohc immer an den wilden westen zu erinnern vermag. Verrostete, einsturzgefährdete Silbermühlen und verlassene Häuser säumen den weg in die Stadt. Virginia City besteht aus einer Hauptstraße, gesäumt von Ramschläden, Bars, Saloons und Touristenshops die einem alles verkaufen was auch nur im entferntesten mit dem schriftzug der Stadt bedruckbar ist. Fotographen bieten die möglichkeit echte gestellte wild west fotografien von sich selbst anfertigen zu lassen -großartig! so viel geschichte und dabei ist das alles erst etwas über 150 jahre alt. sogar ein museum gibt es.
Nachdem wir Reno mit seinen Casinos und Jennifers Schule, sowie ihre Schwester samt Gatten besucht und die High School auch noch Freitag besichtigt haben, gibt es dann am Samstag ein all-you(kuli)-can-eat Frühstücksbuffet in einem der Casinos. innerhalb von nur 1,5h lerne ich weitere Teile der Familie kennen und verzehre folgende Speißen u getränke:
Orangensaft
Kaffee
Wasser
Toast mit Schinken u Ei
Karottenkuchen
Grünen Gelee mit früchten
toast benedict mit Sauce Hollondaise
marinierte Steakstreifen
Bohnen
Reis
Eiscreme
Krabbenzangen
Shrimp
Kekse mit Kokusnussfüllung
3+ Glas Champagner
Melone
Ananas
und einige Dinge deren Namen ich vergessen habe, da sie mir von Jennifers Famile mit dem Löffel von rechts und links in den Hals gesteckt wurden.
Selbstverständlich war dies das erste und letzte Essen an diesem Tage, den Rest der Zeit ging es mir mehr oder weniger elend, erst da ich völlig überfressen aus dem casino rollte und dann da eine Missglückte wanderung mit Besuch der Hot Springs dazu führten dass meine Schuhe vom Schnee durchnässte meine Füße und meinen Körper auf eine mich schwächlich machende Temperatur abkühlten.
Sonntag dann ging es ab nach Tahoe, einem strahlend blauen, klaren See direkt an der Grenze von Nevada zu Kalifornien.

Monday, March 03, 2008

Es wird immer besser (Bilder sind da!!!)

Blick auf Boston vom Pru

Schick angezogen

Hafen zur Dämmerung
Abendstimmung am Hafen

So, nun bin ich also schon seit fast 2 Wochen frei und es geht mir dabei auch spürbar besser als zu Beginn. Nachdem die Woche eher ruhig verlief, ich nur mal mit Karen in der Bar war und sonst nicht viel passierte, begann spätestens Freitag dann die Kehrtwende.
Aus besonderem Anlass wurde ich von Jennifer ins Top of the Hub zum Mittag eingeladen, jenem schicken Restaurant im 52. Stock des Prudential Towers, in das ich schon immer mal wollte. Von dort hatte man zu leckerem Essen auch einen wunderbaren Blick auf den Hafen von Boston sowie die umliegenden Inselgruppen und natürlich auf Downtown und denn erstaunlich blauen Charles River mit den winzigen Segelbooten.
Ausserdem kamen mit John aus New York und Polska aus Connecticut gleich zwei Freunde zu Besuch übers Wochenende. Mit ersterem war ich bei unserer Freundin Amy zu Besuch und dann von dort noch in einem netten Jazzclub. Dank hereingeschmuggelter Getränke kostete das ganze dann auch nichts für uns und die Musik, eine Mischung aus Jazz und Reggae, war auch noch top. Am Samstag haben wir dann unter anderem John und Tom Downtown getroffen und haben uns in Eiseskälte den hereinbrechenden Abend am Hafen angeschaut. im Anschluss waren Jennifer und ich dann gleich noch im North End Pizza Essen, sind dabei aber ordentlich erfroren. Abends dann gab es das zumindest von mir langersehnte Wiedersehen mit den Movers und Shakers bei einer Show im Middle East, an die ich mich heute meine noch immer summenden Ohren erinnern. Früher, als ich noch jung war hatte ich diese Probleme noch nicht. Das fröhliche wiedersehen mit allen führte natürlich zu einer Unmenge von neuen Plänen die sich wahrscheinlich nun in der schon knapper werdenen Zeit kaum noch realisieren lassen werden.
Angesichts der horrenden Preise für Skiausrüstung ($ 18), Busverbindungen($10-20) und Loipenbenutzungsgebühren (etwa $ 15) pro Person und Tag, denen mein Montasverdienst von momentan $ 0 gegenübersteht, wurde der Skiausflug inoffiziell gestrichen. Um die Winterstimmung zu erhalten haben wir dann den "March of the Penguins" geschaut, das war deutlich billiger und für meinen aus unergründlichen Gründen verzerrte Rücken auch angenehmer.
Ausserdem hab ich mit Polska die eher dürfitge ertse halbszeit des Lakers-Mavs Spiel geshehen. Da Polska dann abreisen musste und ich in die Bibliothek, haben wir wohl beide eines der Top Spiele des Jahres verpasst. Kobe's 52 waren ein Vorgeschmack auf das Raptors Spiel nächsten Dienstag, nicht verpassen das Ding aufzunehmen, denn ich sitze ganz oben unterm Dach und werds nicht sehen können!
So, nun hab ich Hunger und sollte mich ausserdem mal um die wichtigen Dinge des Lebens kümmern, unter anderem sind Telefonkarten aufzuladen, Geld zu transferieren, Wäsche zu waschen, der Globe zu lesen, Jennifer gesund zu pflegen...

PS: Grüße an Toni, du bist vond er Kritik an meinen Mitstudenten selbstverständlich ausgesnommen.

Tuesday, February 26, 2008

neuer anlauf, neues glück

Nach dem etwas aprupten vorläufigen Ende des Blogs nun der Versuch einer Wiederbelebung. Da selbst Leute deren Leben noch uneventvoller (auch: abwechslungsloser) verläuft als das meinige noch immer ihre geistigen Umnachtungen im Netz auszuleben scheinen, (hoesi's blog) steht eigentlich weiteren Veröffentlichngen unter meinem Namen auch nichts entgegen.

Von jetzt an gibt es also wieder Neues, wenn auch weniger privat und etwas was mehr am Weltgeschehen interessiert.

Nach fast halbjähriger Abstinenz von allem was Spaß macht und einem zwar saubereren, sichereren und gesünderen Leben (ist das dan noch eins?) auf Sparflamme bot Barclaycard an vorübergehend eine Reise zurück in die heimliche Welthauptstadt des Vereinssports (asugenommen Hockey) zu finanzieren. Nachdem nach der World Series auch fast der Super Bowl ohne mich gefeiert wurden, war es Zeit für einen Besuch bei den in Boston verbliebenen Freunden und dabei ganz besonders bei der doch sonst ganz einsamen Jennifer.
Völlig unterfinanziert und schlecht geplant lief eigentlich alles darauf hinaus entweder völlig vor den Bug oder doch irgendwie gut zu gehen.
Nun, bisher ist letzeres eingetreten, ersteres kommt aber bestimmt noch zum Zuge.
Nachdem ich Antrittsbesuche bei Taco Bell und U Burger ohne Zwischenfälle Überstanden hatte, ja sogar problemlos vom Niveau deutschen Bieres über Sam Adams zu Brubaker und schließlich zu PBR abgestiegen bin (letzeres hat dann doch leichte Kopfschmerzen und starken Furzdrang erzeugt), kam nun heute endlich die erste Magenverstimmung. Hatte ursprünglich darauf wetten wollen, dass Jennifers vegetarisch geprägte Kost mich in Windeseile entweder ausdünnt wie den Suppenkasper oder mir ihre Liebe zum Chillie die Därme verfeuert, aber nun hat mich doch die Kost auf dem Campus auf die Bibliothekstoilette getrieben.
Aus lauter arbeitseifer sitz ich den größeren Teil des Tages hier und bin stark damit ebschäftigt nur nicht zu arbeiten. Meine letzte Belegarbeit hab ich mental überwunden und innerlich für abgeschlossen erklärt, die Arbeit an der Euforia Website bisher immer auf morgen vertagt und nun auch sonst mach ich nicht viel. Da bleibt viel Zeit den Boston Globe zu lesen und Stück für Stück den kontakt zu Bekannten wieder her zu stellen.
Folgendes ist passiert:
Chris arbeitet noch immer bei Big City Moving, wohnt aber jetzt näher am Ghetto in Jamaica Plains; Tyler ist noch an der BU trinkt aber noch mehr als früher und sah letztens recht mitgenommen aus. Karen und Tom sind auch noch da, erstere wohl aber nicht mehr lange. Meine Lieblings-Frühstücksrestaurants gibt es zwar noch, ich war aber aus Spargründen noch nicht da. Überhaupt habe ich mich bisher ausergewöhnlich ruhig verhalten! Carolina, Katie und Carolyn wohnen nun in LA, die werde ich also erst dort sehen.
Der kombiationsfreudige Leserw ird an der Stelle merken, dass in Trip an die Westküste unausweichlich scheint. Und er (der eine) hat Recht:
Am 6. März gehts nach San Francisco, von dort nach Nevada an den Lake Tahoe und nach Reno. Dort besuchen wir dann die Hot-Springs, die Skiresorts und den ein oder anderen Nationalpark sowie ein paar Casinos, bevor es dann am 10. weiter geht nach L.A. Wenn alles gut geht sehen wir dann dort wie Kobe die Lakers mit 81 Punkten zum Sieg gegen die Raptors schießt und treffen ausserdem wer auch immer mich gern sehen möchte. Je nach Kasse und Wetter sind Trips an diverse Strände, vielleicht sogar bis San Diego und Mexico geplant, aber das wird sich zeigen. Zum Abschluss schauen wir uns auch San Francisco an, wohnen dort in einem sehr originellen Überbleibsel aus der Flower Power Ära, dem Red Victorian mitten im Hippie-Bezirk. Die Besitzerin des Ladens heißt treffend Sami Sunchild und unser Zimmer "Sommer of Love." Da werde ich wohl mal anfangen ein paar schöne CDs zu brennen, meine Jeans aufzureißen und Jennifer Blumen ins Haar zu flechten. Könnte es kaum erwarten, wenn es nicht gleichzeitig das Ende des Westcoast Trips wäre und danach nur noch St Paddy's Day in Boston als Rausschmeißer wartet, bevor ich mich wiedermal aus dem Leben verabschieden muss und in die Bibliothek einziehe, um für die Abschlussprüfungen in Fächern zu lernen, die sich entweder selbst zu wichtig nehmen und unterm Strich unbedeutend sind oder einfach jegliche Herausforderung verloren haben da sie von Möchtegern-Leherern übervölkert werden, denen ich (irgendwann) meine Kinder auch dann nicht anvertrauen werde wenn sie mich dafür bezahlen könnten.
Für alle am Weltgeschehen interessierten, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten trägt zwar den Mittelnamen Hussein, diskutiert aber heute trotzdem nochmal mit Hillary über Dinge die in Deutschland niemand nachvollziehen kann, um dann morgen vielleicht schon einen entscheidenden Vorsprung im Rennen um die eigentliche Kandidatur gegen einen 71-Jährigen Republikaner, dem man vor ein paar Jahren selbst George Bush noch vorgezogen hat, zu gewinnen. Und ich wette, wenn man heute fragte, wills keiner gewesen sein.
Wie dem auch sei, in Boston verschleudert man weiterhin Milliarden im Big Dig, die Sicherheitsstufe auf Flughäfen im Land ist nun seit nunmehr 566 Tagen "orange" (und keiner weiß warum) aber die TSA investiert lieber in einen Internetauftritt anstatt dem Kontrollirrsinn ein Ende zu bereiten und irgendwer fand heraus, dass von den 342,000 Verkehrsschildern in Boston die meisten die Parkbestimmungen regeln, und dies offenbar so furchtbar unübersichtlich, dass weder Anwohner noch Polizei noch wissen, wo man überhaupt parken darf ohne sein Auto von dannen geschleppt zu bekommen. Auch die Polizei in Boston ist noch immer recht unfreundlich und stand audgrund ihres harten (und dummen!) Vorgehens gegen friedliche Demonstranten im Blickpunkt. Unter anderem wurde ein einzelner, mit Galgenschlingen gegen die Politik einer Großbank demonstrierender Mann nur 6 Minuten nach Beginn seiner Protestaktion verhaftet. Er trug ein Schild "Galgenschlingen zu verkaufen" und wurde daher wegen Betrieb eines nichtlizensierten Geschäfts belastet, seine "Güter" beschlagnahmt. Ähnlich erging es 2004 einem einzelnen Studenten, der vor einer Armee Rekrutierungsanstalt mit Tuch über dem Kopf und Drähten an den Fingern, auf einem Stuhl stehend gegen die Abu Garib Folterungen demonstrieren wollte, ihn holte ein Bombenalarm Einsatzkomando vom Stuhl... Offenbar hatte Howard Zinn recht, wenn er sagte, dass zu Kriegszeiten die vom 1. Amendment zugesicherte Redefreiheit nicht mehr existiert.
Zum Abschluss der Wetterbericht: Nach den Schneefällen der vergangenen Tage war es heute nass und matschig, soll aber bald wieder richtig kalt werden, mit Temperaturen deutlich unter 30 Grad Fahrenheit. Hoffnungen auf einen Ausflug in die verschneiten Berge keimen also wieder auf!